Klappentext

Der Luftkrieg gehört zu den zentralen Erfahrungen der Gewaltgeschichte im 20. Jahrhundert. Noch heute wird der Streit über Schuld und Verbrechen hoch emotional geführt. Das Buch von Dietmar Süß zeigt erstmals im Vergleich, welche Folgen der Bombenkrieg für Deutschland und England hatte und auf welche Weise Diktatur und Demokratie die Militarisierung der Bevölkerung betrieben.
Mit dem Zweiten Weltkrieg radikalisierte sich der Luftkrieg zur massenhaften Zerstörung von Städten und Militäranlagen. Er verband technische Modernität mit staatlicher Disziplinierung. Sirenen bestimmten seit 1939 den Kriegsalltag der Bevölkerung und ihre Kriegsmoral galt beiden Nationen als gesellschaftlicher Kitt. Doch was war gemeint, wenn von "guter" oder "schlechter" Kriegsmoral, von "Gemeinschaft" und vom "Durchhalten" die Rede war?
Dietmar Süß untersucht den Umgang mit dem "Tod aus der Luft" und geht der Frage nach, wie beide Nationen den Einsatz von Massentötungswaffen ethisch, religiös und politisch legitimierten. Welche Rolle spielten dabei die christlichen Kirchen, die Themen Vergeltung und "gerechter Krieg"? Das Buch zeigt, wie sehr solche Fragen auch nach 1945 immer wieder Wunden aufrissen und wie die Erinnerung an den Bombenkrieg noch bis in unsere Gegenwart hineinragt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.04.2011

Dietmar Süß' vergleichende Sozial- und Kulturgeschichte von Kriegsgesellschaft und Luftkrieg in England und Deutschland in den Jahren 1939 bis 1945 hat Rolf Wiggershaus sichtlich beeindruckt. Er attestiert dem Historiker, in seiner 700 Seiten starken Untersuchung eine schier überwältigende Fülle von Material recherchiert zu haben. Dies ist seines Erachtens aber kein Selbstzweck, sondern Ausdruck des "unbestechlichen Realitätssinns" des Autors. Im Zentrum sieht er den Schlüsselbegriff der "Kriegsmoral", um den herum Süß den Luftkrieg als "spezifische Form der Gewaltanwendung und Gewalterfahrung" darstellt. Dem Autor gelingt es in seinen Augen, nahezu jeden Aspekt einer Gesellschaft im Luftkrieg konkret zu beschreiben und eindringlich zu vermitteln, was Luftkrieg wirklich bedeutet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011

Rezensent Joachim Käppner begrüßt dieses Buch über den Luftkrieg in Deutschland und England, das der Historiker Dietmar Süß vorgelegt hat. Er liest das umfangreiche Werk als "erste Sozialgeschichte des Luftkriegs", welche die Erfahrungen beider Länder gegenüberstellt. Deutlich werden für ihn "verblüffende Parallelen" im Umgang mit den Bombardements, etwa in der Mobilisierung der Bürger oder der propandistischen Nutzung der Zerstörungen. Dabei betont Käppner, dass der Autor die Unterschied zwischen dem demokratischen Großbritannien und Nazideutschland nie verwischt. Entstanden ist für ihn ein reflektiertes, wissenschaftlich fundiertes und zugleich packendes Werk.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Instruktiv findet Rezensent Rolf-Dieter Müller diesen auf den ersten Blick so problematisch scheinenden Vergleich des deutschen und englischen Umgangs mit dem Luftkrieg. Einerseits nämlich seien die Gemeinsamkeiten, die Dietmar Süß dabei entdeckt, nicht von der Hand zu weisen, schon weil sie in der Natur der Sache liegen dürften: In beiden Gesellschaften kam es zu einer ideologischen Mobilmachung, in deren Folge Zivilisten in den angegriffenen Städten sich als "Soldaten der Heimatfront" begreifen sollten. Aber auch die Differenzen sind, so der Rezensent, aufschlussreich. Anders als im Dritten Reich blieben in Großbritannien Strukturen von freier Presse, Demokratie und Rechtsstaat mancher Einschränkung zum Trotz doch erhalten. Als vorbildlich lobt Müller auch die Darstellung selbst, sie sei "nüchtern" und "gut lesbar".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de