Raymond Carver

Erste und letzte Storys

Erzählungen
Cover: Erste und letzte Storys
Berlin Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783827003317
Gebunden, 354 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus. Dieses Buch versammelt alle nicht in den drei inzwischen zu Klassikern avancierten Bänden "Würdest du bitte endlich still sein, bitte", "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden" und "Kathedrale" enthaltenen Erzählungen Raymond Carvers: Von ersten, tastenden Versuchen in der Art Faulkners, einer Hemingway-Parodie, einem Roman-Fragment bis zu Carvers letzter Erzählung Der Botengang, einer bewegenden Hommage an sein großes literarisches Vorbild Anton Tschechow.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2002

Jürgen Brôcan sieht sich durch diesen Sammelband in seiner Einschätzung Raymond Carvers als "herausragendem Vertreter der Short Story" bestätigt. Die hier versammelten 22 Storys, die über einen Zeitraum von 25 Jahren entstanden sind, zeigten deutlich, dass Carver seinen Ton von Anfang an getroffen habe, wenn auch nicht von Anfang an in der Perfektion, die ihm später zu eigen wurde. Carver verleihe einfachen Dingen und Begebenheiten Kraft, indem er sie genau und möglichst objektiv beschreibe, ohne sie zu analysieren, zu erklären, zu werten. Diese Erzählweise verleihe seinen Geschichten eine einzigartige Lakonie, die dem Inhalt angemessen sei, so der Rezensent. Carver spare sich übermächtige Handlungen und konzentriere sich stattdessen auf viele kleine Aspekte des Lebens, die kaleidoskopartig ein Bild der Realität schüfen. Der Übersetzung von Helmut Frielinghaus wird ähnlich großes Lob zuteil, da dieser es verstehe, nicht nur Carvers Ton hervorragend zu treffen, sondern ihn an einigen Stellen auch noch im selben Stil zu verstärken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002

Christoph Bartmann plädiert dafür, die "schönen Einzelheiten" der Geschichten des amerikanischen Autors einfach "in Ruhe zu lassen", um sie nicht ihrer berückenden Einfachheit zu berauben. Damit stellt er sich gegen die Ansichten von Ingo Schulze oder Judith Hermann, die hinter dem "Minimalismus" Carvers größtmögliche Reduktion und Abstraktion" vermuten, wie der Rezensent mitteilt. Bei der Besprechung des Bandes mit 22 Erzählungen beschäftigt er sich am intensivsten mit "Botengang", die die letzte zu Carvers Lebzeiten veröffentlichte Erzählung ist und vom Tod Tschechows handelt. Im Grunde erzählt der Autor darin nicht viel mehr als ein Biograf und "bleibt den Sachverhalten treu", meint der Rezensent. Was Bartmann aber wirklich beeindruckt, sind hin und wieder aufblitzende "erzählerische Gesten" - in "Botengang" ist es die unscheinbare Handbewegung eines Kellners, der mit Verspätung Tschechows Tod begreift - die, so der Rezensent angetan, den "Wahrheitszauber" der Erzählungen Carvers erzeugen. Insgesamt findet er, und hier zitiert er Gottfried Keller, dass den Erzählungen, die viel von Vorgärten und vom Angeln handeln, eine "stille Grundtrauer" anhaftet, die den besonderen Charakter der Geschichten Carvers ausmachen. Dabei sind sie dann am "traurigsten", wenn sich die Protagonisten "Mut zusprechen", so der Rezensent berührt.
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