Lorenz Schröter

Venuspassage

Roman
Cover: Venuspassage
Rotbuch Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783434530770
Gebunden, 333 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Der Astronom Guillaume de Le Gentil - als Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften ein sogenannter "Unsterblicher" - reist im Jahre 1760 nach Indien, um dort zu beobachten und zu vermessen, wie genau an einem ganz bestimmten Tag die dunkle Planetenscheibe der Venus vor der Sonne sichtbar wird. Von den Messergebnissen erhoffen sich die Forscher zu erfahren, wie weit die Sonne von der Erde entfernt ist, eine in jenen Jahren unerhört heftig diskutierte Frage. Le Gentil hat fast sein gesamtes Leben auf diesen Moment hingelebt, und als ihn ein Krieg daran hindert, sein Ziel zu erreichen, hält er sich für gescheitert - bis er nach zahlreichen Abenteuern in der Südsee, die auch ihn als Menschen völlig verändern, eine zweite Chance erhält.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2002

Guillaume le Gentil, der mit seiner von der französischen Krone in Auftrag gegebenen Forschungsreise Erkenntnisse zur Vermessung des Himmels erlangen sollte und damit als großer Entdecker in die Geschichte einzugehen hoffte, scheiterte mit diesem ehrgeizigen Projekt. Mehr als zweihundert Jahre später stieß Lorenz Schröter in einer Fußnote auf seinen Namen und machte aus dem Stoff ein Buch. Doch auch als Romanheld scheitert le Gentil, findet die Rezensentin Susanne Balthasar. Die Ausflüge des "Helden" in die Südsee, wo er viele Jahre lebte, bringen weder Spannung noch sind sie von exotischem Reiz, und der vermeintliche Entdecker mache in dieser Zeit keinerlei Persönlichkeitsentwicklung durch, bedauert sie. Vielmehr festige sich im Verlauf der Lektüre das "Bildnis eines Mannes, der alles verpasst hat", kommentiert Balthasar abschließend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2002

Der "ehrgeizige" Versuch des Reisejournalisten Lorenz Schröter, das selbst erlebte "Faszinosum des Reisens" in ein "stringentes Weltbild" zu pressen, welches er Jean Baptiste Le Gentils vierbändigem Forschungsbericht von 1780/81 entnommen hat, erweist sich nach Einschätzung der Rezensentin Beatrix Langner als missglückt. Die Rezensentin kritisiert, dass Schröters Held Le Gentil bei allen "poetische Inseln und empfindsame Meerpanoramen", aller Phantasie, allem "Insiderwissen über Segelschiffe" ein "papierener Geselle" bleibt, den der Autor nach Belieben hin- und herschiebe. Schröter gelingt es nach Ansicht der Rezensentin weder, Le Gentil als einen Charakter zu gestalten, noch seine Geschichte spannend zu erzählen. Von dem "behäbigen Universalismus" der humanistischen Reiselust ist bei Schröter, so die enttäuschte Rezensentin, nichts geblieben als ein paar Tattoos und Meridiane, Azimute, Sternbilder, anachromatische Teleskope und ausgestorbene Dronten. Fazit der Rezensentin: "Das alte Wissen verdampft zur Rotationsachse schnelllebiger Moderomane."
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