"Da, wo wir zu Hause waren, war die Gegend eng." So lautet der erste Satz dieser Geschichtensammlung. Ein von steilen Bergen eingefasstes Tal wird beschworen, das seinen Bewohnern eher ein verriegeltes Dasein als eine trauliche Geborgenheit beschert. Die Ich-Erzählerin hält Rückschau auf ihre Kindheit. Auf die Sommerferien, die sie als zehnjähriges Mädchen auf einem Bauernhof bei Onkel und Tante verbringt, das triste Leben ihres Vaters, der als Arbeiter eine kinderreiche Familie zu ernähren hatte und das freudloses Schicksal ihrer Mutter. Wie der Titel des Buches verrät, handeln manche Geschichten vom Glanz und Elend dessen, was sich zwischen den Geschlechtern zuträgt. Zweifellos geht es dabei fintenreich zu, doch in der Optik der Autorin ist die Liebe eine so schwierige Angelegenheit, dass ihr Scheitern nicht allein dem oft grotesken Verhalten der männlichen Partner angelastet werden mag. Doch so unbestechlich Lisa Elsässer das menschlich Tun auch beobachtet, sie stellt ihre Figuren niemals bloß, sondern begegnet ihnen mit Einfühlungsvermögen und Verständnis.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2012
Sehr eingenommen ist Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger für diesen schmalen Erzählband von Lisa Elsässer. Die Geschichten erzählen für sie eindringlich von einer kargen Kindheit, von Schweigen und Verschweigen, von falschen Rücksichtnahmen, von Tod, Heimweh und Verrat, von Einsamkeit und Sehnsucht - Kindheitserinnerungen, die die Autorin hier verarbeitet. Die Rezensentin schätzt die Klarheit von Elsässers Sprache und auch den Ernst dieser Erinnerungen, der durch die Innigkeit einiger Erzählungen und durch Ironie gelegentlich abgemildert wird.
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