Alice Schmid

Dreizehn ist meine Zahl

Roman
Cover: Dreizehn ist meine Zahl
Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2011
ISBN 9783312004720
Gebunden, 156 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Die neunjährige Lilly schildert ihre Leben in einem Dorf auf dem Berg Napf, zwischen den Kantonen Bern und Luzern, Ende der fünfziger Jahre. Inmitten von Armut und harten, bäuerischen Sitten verbringt Lilly ihre Kindheit und wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Ungerechtigkeit in der Familie, gegen Gewalt und die Zumutungen der Erwachsenenwelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2011

Bislang kannte man die Schweizer Autorin Alice Schmid, so die Rezensentin Lena Bopp, in erster Linie als Regisseurin. Mit fünfzig Jahren gibt sie nun ihr literarisches Debüt, das Bopp für durchaus gelungen hält. Den Themen, oder eher: dem Thema, das sie bislang beschäftigte, bleibe Schmid dabei treu. Fast immer gehe es bei ihr um die Kindheit, den anderen Blick auf die Welt, der sich mit dieser Phase des Lebens verbindet. Neun Jahre alt ist Lily, die Heldin dieses Romans. Sie wächst in den fünfzigern in der Schweizer Provinz auf, die sich ungefähr so darstellt, wie man es von außen befürchten würde. Der Nachbarsjunge wird von seinem Vater missbraucht, Lily selbst vom eigenen Bruder. Faszinierend findet Bopp, wie genau das Buch in nur scheinbarer Gemütlichkeit mit schweizerdeutschen Vokabel-Einsprengseln die Sprachlosigkeit der Erzählerin abbildet. Die Abgründe werden nicht ausbuchstabiert, sind aber umso mehr spürbar.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2011

Achtung Kindergeschichten, warnt Rezensent Roman Bucheli, der weiß, wie schwer es ist, aus Kindsperspektive zu erzählen. Der Autorin gelingt das in ihrem ersten Buch nicht ganz. Weil sie keine neue Form findet, um die Fantasie, die Ängste und Sehnsüchte ihrer neunjährigen Protagonistin aus dem Luzerner Bauernmilieu in Sprache zu fassen, bedient sie sich des inneren Monologs und des Dialekts, verdoppelt dadurch, wie Bucheli kritisiert, aber lediglich die Naivität des Kindes und schafft keine Transzendenz und beim Leser ergo keine neuen Einsichten. Umso bedauerlicher für Bucheli, da er das Potential an Intensität, das in der Innenperspektive speziell dieser Figur schlummert, klar erkennt. So aber bleibt die mal dämonisierende, mal verzaubernde Poetisierung des ärmlich-bäuerlichen Alltags aus Sicht des Kindes offenbar unter ihren Möglichkeiten.