Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck. Phoenix und ihre Mutter Rain haben China vor Jahren verlassen und sind nach Kanada ausgewandert. Als Rain dort unerwartet stirbt, ist das für die Tochter ein unermesslicher Verlust. Nachdem Phoenix einen Koffer voller Erinnerungen geöffnet hat, die Rain von zu Hause mitgebracht hatte, lässt sie die Frage nicht mehr los, ob sie ihre Mutter eigentlich kannte. Als sie sich in China auf die Spuren der Geschichte ihrer Familie macht, findet sie auch ein Stück von sich selbst. In ihrem Roman erzählt die chinesische Autorin Zhang Ling von einer Tochter, die die dramatische Lebensgeschichte ihrer Mutter erst nach deren Tod erfährt und dabei begreift, dass es die unausgesprochenen Geheimnisse sind, die ein Leben am tiefsten prägen. Nur ein Gespräch mit Tante Mei, Rains Schwester, verspricht Klärung. Und so steigt Phoenix mit der Asche ihrer Mutter in ein Flugzeug nach China...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025
Rezensent Marl Siemons begegnet mit Zhang Lings erstem auf Englisch verfassten Buch ein literarisch nicht ganz ausgefeilter, dafür aber umso empathischer erzählter Roman. Es geht um ein in Toronto lebendes Ehepaar, ein kanadischer Mittelschichtsarzt und seine chinesischstämmige Frau Phoenix, eigentlich Yuan Feng, deren Alltag durch den Tod und die sich plötzlich aufdrängende Lebensgeschichte von Phoenix' Mutter aufgerüttelt wird. Wie Ling hier zunächst ein gemäßigtes Klima einer westlichen Mittelschicht schafft, in das die aufwühlende Vergangenheit der Mutter zwischen drei Kriegen, Fluchtversuchen, einer engen Bindung zum im Krieg schwerverletzten Ehemann und einem großen Geheimnis wie eine Hitzewelle einbricht, findet der Kritiker zunächst sehr beeindruckend, stört sich dann aber an eher platt klingenden, "Sitcom"-ähnlichen Phrasen, die mit der "erzählerischen Disziplin" eines Ha Jin nicht mithalten können. Auch, warum das Familiendrama und den Schock, den Phoenix davon erleidet, der Ehe gar nichts "anzuhaben" scheinen, kann der Kritiker nicht nachvollziehen. Trotzdem lobt er Lings leidenschaftliches Eintauchen in die chinesische Geschichte sowie die Übersetzung der Sinologin Susanne Hornfeck, deren Fachwissen für Siemons "jederzeit spürbar" ist.
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