Die Liebeserklärung an eine Stadt. Wohin es Lenka Reinerova auch in ihrem wechselvollen, ereignisreichen Leben verschlug, stets empfand sie, daß all ihre überraschenden guten und schlimmen Erlebnisse mit ihrer Herkunft aus Prag zusammenhingen. So wie Prags Eigenart und Schönheit im untrennbaren Nebeneinander verschiedenster kultureller Einflüsse entstanden, sieht sich Lenka Reinerova auf undefinierbare Weise von drei Kulturen geprägt: der deutschen, tschechischen und jüdischen. Wenn sie heute neugierig wie eh und je in ihrer Stadt etwas erkunden will, spürt sie den Schicksalen von Häusern und Bewohnern nach. Die Burg und die Paläste, die von Geschichte berührten Plätze wären öde ohne die oft sonderbar närrischen Prager. Manchmal gesellt sich zu der "Besitzerin eines Traumcafes" dann ihr Freund Egon Erwin Kisch. Noch viel öfter aber trifft sie ein Wesen, das nur sie wahrnehmen kann: den Geist von Prag.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2006
Auch wenn Rezensent Uwe Stolzmann ein wenig zögert, dieses Etikett zu benutzen, führt er Lenka Reinerova als "letzte deutschsprachige Autorin Prags" vor. Als Kind jüdischer Eltern hat sie in den drei Kulturen der Stadt gelebt, musste vor den Nazis nach Mexiko fliehen und ist Kommunistin geworden und geblieben, trotz einiger Anfeindungen durch die kommunistsiche Partei in der Tschechoslowakei. Ihr neues Buch versammelt Spaziergänge durch die Heimatstadt, die ihr vertraut und fremd zugleich ist. Doch Stolzmann scheint ein wenig enttäuscht. Das Magische dieses Ortes teilt sich ihm in Reinerovas Prosa nicht mit. Es gebe einige starke Passagen, doch insgesamt bleibt sie dem Rezensenten zu oberflächlich: "Lenka Reinerova mag nicht hinter die Fassaden schauen, ihr reicht der Schein."
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