In den westalliierten Offiziers- und Soldatenclubs nach 1945 in Deutschland trafen sich Frauen und Männer der Siegernationen. Aber auch Deutsche arbeiteten in den Clubs oder besuchten sie als Gäste. Zwischen Arbeitsalltag und Freizeitvergnügen wirft Lena Rudeck einen Blick auf die sozialen Interaktionen des Clubgeschehens. Dabei fügt sie der vorliegenden Forschung zur alliierten Besatzung nach 1945 sowohl eine akteurszentrierte als auch eine geschlechterspezifische Facette hinzu. Ihre Analyse der Begegnungen unterstreicht das Verständnis von Besatzung als einen Prozess, auf den sowohl die Sieger als auch die Besiegten Einfluss nehmen.
Mit Gewinn liest Rezensentin Katja Kullmann Lena Rudecks Studie über kulturelle Vergnügungsstätten in der Besatzungszone der Westalliierten in Westdeutschland nach 1945. Ausgehend von zahlreichen Zeitzeugenberichten, so Kullmann, erkundet die Autorin, wie französische, englische und amerikanische Tanzclubs, die zunächst nur für die Soldaten der Besatzer gedacht waren, nach und nach auch für die deutsche Bevölkerung geöffnet wurden und auf großen Anklang stießen. Immer mehr Menschen, vor allem gut gebildete junge Frauen, bewarben sich um einen "Gesellschaftspass", der den Zutritt gewährte, auch wenn ihnen dafür gelegentlich ein "Ami-Hure" an den Kopf geworfen wurde, wie Kullmann liest. Wie Rudeck materialreich diese Entwicklung beschreibt, die zur Generation der "Besatzungsbabys" führte, dabei das Konzept der "moralischen Ökonomie" heranzieht und auch "verblüffend nahtlos" an aktuelle Diskurse anknüpft, findet die Kritikerin anschaulich und spannend. Nach der Lektüre scheint ihr der Begriff der "Befreier" im Vergleich zur historisch korrekten Bezeichnung als "Besatzer" eigentlich passender, schließt sie.
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