Lars Brandt

Gold und Silber

Roman
Cover: Gold und Silber
Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN 9783446230323
Gebunden, 304 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Eine mittelgroße deutsche Stadt am Ende des 20. Jahrhunderts. Hier gibt es eine Gruppe jüngerer und nicht mehr ganz so junger Leute, die sich als Künstler fühlen und sich fragen: Wie finde ich das richtige Leben in dieser so komplizierten und schlecht organisierten Welt? Sie wissen, was sie wollen, aber sie wissen nicht wirklich, wie sie es machen sollen. So auch der Erzähler, der sich weigert zu begreifen, dass die von ihm verehrte Ginger bereits vergeben ist und nichts von ihm wissen will. Seine Hartnäckigkeit führt ihn mit Umwegen nach Rom, zum Sehnsuchtsort aller Künstler, der nun auch seiner Liebe aufhelfen soll. Lars Brandt bringt auf leichte, assoziative Weise das Schwerste zur Sprache: Sein Künstler- und Liebesroman erzählt von Menschen auf der Suche nach dem richtigen Leben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2008

Rezensent Martin Krumbholz scheint selbst nicht ganz genau zu wissen, ob ihm dieser "üppige Roman" von Lars Brandt nun gefallen hat. Und wenn ja, warum. Doch er muss zugeben, sehr gelacht zu haben - auch wenn er nicht sicher ist, ob "mit oder über" die Hauptfigur Rudi. Ein Sympathieträger ist der unglücklich verliebte Protagonist mit seiner "tragikomischen Demuts-Arroganz" Krumbholz' Meinung nach jedenfalls nicht. Doch die "Trumpfkarte", ein Kommunikationsstil mit "Schnörkeln, Verstiegenheiten und Schrullen" hat in den Augen des Rezensenten auf jeden Fall Unterhaltungswert. Ob seine Irritation darüber berechtigt ist, dass eine unfundierte Hoffnung, wie Rudi sie im Bezug auf seine Angebetete hat, über 300 Seiten tragen soll, scheint der Rezensent selbst nicht so recht zu wissen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.04.2008

Mehr als enttäuscht zeigt sich Rezensent Christoph Schröder von Lars Brandts Romandebüt, fand er doch dessen Buch über Vater Willy mehr als vielversprechend. Doch diese Geschichte jetzt sei zwar vom Stoff ganz anregend: ein Jahr im Leben der altbundersrepublikanischen Boheme Ende der 90er Jahre in einer Stadt, die Bonn sein könnte und die dabei ist, ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Doch all das ist für den Geschmack des Rezensenten viel zu bedeutungsschwanger und kitschig beschrieben, Petitessen zu bedeutungsvollen Ereignissen aufgeblasen. Zwar versteht der Rezensent den Reflex des Autors, diese geheimnisentleerte Welt wieder mit romantischem Glanz aufladen zu wollen. Auch einen "Künstler- und Anti-Berlin-Roman" hätte er stürmisch begrüßt. So geht es seiner Ansicht nach jedoch nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2008

Etwas zu ambitioniert scheint der Rezensentin Gisa Funck dieses Romandebüt über eine Gruppe von erfolglosen, aber unter Selbstüberschätzung leidenden Künstlern in der rheinischen Provinz der neunziger Jahre, das Lars Brandt vorgelegt hat. Zwar interessiert sie die Idee, das Verschwinden des Künstlermythos mit dem Verschwinden der alten Bundesrepublik zu verbinden. Aber zu ihrem Bedauern verliert der Autor dieses Vorhaben bald aus dem Blick und verzettelt sich in seiner Verarbeitung der Artus-Sage. Das hemmt für sie doch sehr den Erzählfluss des Romans. Aber auch die Aufladung der Handlung mit "sinnschweren Zitaten und Bedeutung" hält sie irgendwann für ermüdend. Sie hätte sich weniger "Bildungsstolz" und "mehr Mut zu tragischer Fallhöhe" gewünscht. Dann wäre dieses Buch, eine "unterschwellig romantische Apologie des Scheiterns", ein besserer Roman geworden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2008

Rezensent Ulrich Rüdenauer ist ein bisschen unschlüssig, ob er von diesem seltsam entrückten Roman, der sich um die Liebe und den Versuch eines bohemistischen Lebens dreht, genervt oder berührt sein soll. Unter anderem begründet er seine Ambivalenz mit der "nicht selten kitschanfälligen Sprache" und der "latenten Undeutlichkeit", mit der die "wirklichkeitsenthobene Stimmung" erkauft wird. Der Roman ist zwar in der Gegenwart angesiedelt, könnte aber nach Einschätzung des Rezensenten auch der Romantik entstammen. Er ist ein "Versuch, den Übergängen zwischen Fantasie und Realität, zwischen Kunst und Leben, zwischen Ich und Wir auf die Spur zu kommen" - doch wie gut dieser Versuch funktioniert, darüber scheint sich der Rezensent mit sich selbst nicht ganz einig.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.03.2008

Irgendwie scheint es etwas zu haben, dieses Romandebüt von Lars Brandt, dem Sohn des legendären Bundeskanzlers Willy. Denn Rezensentin Silja Ukena umkreist, beschreibt und belebt dessen irgendwie schwer melancholische Handlung so voller Inbrunst, dass man fast überrascht am Ende ihren Befund zur Kenntnis nimmt, dass sie das Buch für fad und gescheitert hält. Es geht ihrer Beschreibung zufolge um eine Gruppe von Künstlern, die sich um 1990 in Bonn im Transitzustand zwischen zwei Zeiten befinden. Wo sich das persönliche Scheitern (und der Umzug der Hauptstadt nach Berlin) zwar abzeichnet, aber noch nicht offensichtlich ist. Das sei ein schöner Gedanke, dessen Umsetzung jedoch gescheitert sei, liest man also augenreibend und fragt sich, woher die Rezension ihr emotionales Timbre hergenommen hat, wenn nicht aus der Umsetzung dieser Idee. Und ob das "Gefangensein in der Endlosschleife", das "Unfertige", das sie dem Roman vorwirft, nicht Teil dieser Umsetzung oder gar deren Crux sein könnte.
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