Kurt Flasch

Meister Eckhart

Die Geburt der 'Deutschen Mystik' aus dem Geist der arabischen Philosophie
Cover: Meister Eckhart
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406541827
Gebunden, 192 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch verändert das Bild Eckharts durch neue faktische Nachweise. Es konstruiert keine neue "Tradition", sondern rekonstruiert eine belegbare, wechselvolle philosophische Diskussion. Die Methode ist also nicht Intuition oder Assoziation, sondern historisch-philologischer Beweis. Dabei zeigt sich, dass, vermittelt durch Albertus Magnus und Dietrich von Freiberg, der arabische Philosoph Averroes in Eckharts Denken eine zentrale Rolle spielt. Es geht dabei nicht um das Vorkommen oder die Menge von Averroes-Zitaten, sondern um die argumentative Funktion der Theorien des Averroes im Denken Eckharts. Durch Albert und Dietrich war ihm ein arabisch-jüdisches intellektuelles Umfeld eröffnet, in dem auch Avicenna und Moses Maimonides von Bedeutung sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2007

Als ausgesprochen horizonterweiternd empfand Rezensent Patric Schaerer die Lektüre von Kurt Flaschs "von rhetorischem Schliff" geprägte Studie über die Wurzeln der Mystik Meister Eckharts in der arabisch-jüdischen Philosophie des frühen Mittelalters. Zwar verlange Flasch sich selbst und seinem Leser bei der Beschreibung frühmittelalterlicher intellektueller Netzwerke, Lebenswelten und Diskurse einiges ab. Nach und nach jedoch ergibt sich für den Rezensenten ein "filigranes Gewebe" aus Querverbindungen zwischen Texten und Denkern, die ihm Meister Eckharts Philosophie neu erschließen und auch methodisch überzeugen können. Nicht alles, was Flasch vorbringe, sei tatsächlich neu, schreibt der Rezensent und manchmal verliere er "im Knäuel der historischen Linien" den Faden. Doch insgesamt überzeugt die Studie den Rezensenten mit ihrem originellen Ansatz und einer ausgesprochen verständlichen Darstellung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.06.2006

Detailliert widmet sich Andreas Speer der neuesten Auseinandersetzung des Philosophen Kurt Flasch mit dem Mystiker Meister Eckhart. Die an Nietzsche angelehnte Metaphorik der Genese, die Flasch als "Geburt der deutschen Mystik aus der arabischen Philosophie" umdeutet, lässt den Rezensenten hellhörig werden. Kurt Flasch lege hier nicht nur ein weiteres Interpretationsmodell für Eckhart vor, sondern liefere gleich eine Gesamtsicht auf die mittelalterliche Philosophie, mit der sich der Spezialist seit Jahren auf gewohnt selbstbewusste Art beschäftige. Flasch leite seine These von den aristotelischen islamischen Gelehrten Avicenna und Averroes ab, die über Maimonides und den Deutschen Dietrich von Freiberg, der in der Herleitung als hagiografischer "missing link" präsentiert werde, Eingang in die deutsche Dominikanerschule fanden, der Eckhart nahe stand. Ein "wirkungsvoll inszenierter Versuch" und eine spannende Lektüre, konzediert der Rezensent. Wenn auch nicht ganz neu. In der Fachwelt werde dieser Ansatz schon länger diskutiert, weiß er.
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