Kurt Flasch

Eva und Adam

Wandlungen eines Mythos
Cover: Eva und Adam
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406527630
Broschiert, 112 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Dieses Buch handelt vom Ursprung der Menschheit, von Gott und der Erschaffung Evas; es erzählt vom Paradies und der Erbsünde. Es rückt Eva ein wenig in den Vordergrund und zeigt erneut die Macht des männlichen Blicks auf die Frau. Das Buch betrachtet Eva und Adam als Themen der westlichen Kunst, des westlichen Glaubens und Wissens. Es teilt - so heiter und so kurz wie möglich - ein paar wenig bekannte Einzelheiten mit aus dem Grenzgelände zwischen Kunst- und Ideengeschichte. Kurt Flasch redet als Historiker von Bildern und Ideen. Er erzählt als Reisender, der Eva und Adam oft begegnet ist, an der Bernwardstür in Hildesheim, an der Fassade von Notre Dame und am Adamportal in Bamberg, in der Brancacci-Kapelle in Florenz und in der Sistina im Vatikan. Noch öfter hat er sie angetroffen in alten Texten. Sein Buch hat zwei Teile. Im ersten Teil präsentiert Flasch die Bilder und Erzählungen, ihre Umformungen und Auslegungen. Im zweiten Teil gibt er einen Eindruck von der europäischen Denkarbeit an dem ursprünglich orientalischen Stoff und stellt die Doktrinen und Denkgebäude vor, die von der Paradieserzählung motiviert wurden - das große christliche Dauerthema von Erbsünde und Rettung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2005

Als "opulenten philologischen Meta-Kommentar zur Geschichte der Kommentare des Paradiesmythos" würdigt Hans Ulrich Gumbrecht dieses Buch über Wandlungen des Mythos von Adam und Eva, das Kurt Flasch vorgelegt hat. Wie Gumbrecht berichtet, verfolgt Flasch die fast dreitausendjährige Arbeit am Paradiesmythos des Alten Testaments, wobei er nicht die theologischen und philosophischen Themen in den Vordergrund stellt, auch nicht die allegorischen Deutungen, sondern die wörtlichen Interpretationen der Geschichte. So schreibe Flasch etwa über die "keineswegs trockenen" Spekulationen zur Formung Adams aus Lehm und Evas aus der Rippe, von Augustinus? Vorstellung des Geschlechtsverkehrs im Paradies oder über die Rätsel, welche die vom Ur-Paar nach dem Sündenfall entdeckte Nacktheit den Exegeten aufgab. Gumbrecht hebt die heitere Gelassenheit von Flaschs Tonfall hervor, die denkbar weit von der herablassenden Ironie entfernt sei, "mit der sich die westlichen Intellektuellen der letzten Jahrhunderte zumal über die wörtlichen Deutungen der Bibel erheben zu können glaubten."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005

"Ansprüche auf dem Feld der Gottesgelehrtheit" stellt Kurt Flasch - ganz "bescheiden" - nicht, wenngleich er sie in den Augen von Rezensent Martin Lüdke durchaus "erfüllt". Der Philosoph und Philologe, den der Kritiker dem "aussterbenden Typus des Gelehrten" zuordnet, widmet sich in seinem Buch dem Wissen über Adam und Eva, wie es sich bis gegen 1700 entwickelte. Zentrale These der "wundervollen kleinen Studie" ist, dass die früheren Gottesmänner sowohl die Entstehung des Paradieses genau datierten, wie auch die Art des Lebens dort zu kennen glaubten. Diesen Spuren geht Flasch "als erzählender Reisender" in seinem Buch nach, "markiert" Erklärungslücken und Widersprüche und dies - so lobt der Rezensent - meist auf "unterhaltsame" Art und Weise. Er habe ein Buch vorgelegt, das den Vergleich mit "großen Vorbildern" nicht scheuen brauche.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005

Nur zwiespältiges Vergnügen empfand Willibald Sauerländer bei der Lektüre von Kurt Flaschs Buch über die Geschichte der Auslegungen der Schöpfungsgeschichte und des biblischen Sündenfalls, obwohl es ein zugegebenermaßen geistreiches und vergnüglich zu lesendes "schlankes Bändchen" geworden sei, wie der Rezensent zugibt. Unbehaglich fühlt sich Sauerländer, weil ihm der Spott in Flaschs Ausführungen über die teilweise höchst kuriosen Interpretationen der Schöpfungsgeschichte ein "billiges Vergnügen" erscheint. Sind wir deshalb bessere oder glücklichere Menschen, weil wir nicht mehr an die Erbsünde glauben und uns nicht mehr mit furchtbaren Drohungen quälen, fragt der Rezensent. Der theologische Laie nimmt Flaschs Darlegungen gerne zur Kenntnis, da ist sich Sauerländer sicher, obwohl ihm der Text gar zu eingängig (und frivol!) vorkommt. Etwas anbiedernd an den Zeitgeschmack ist seines Erachtens auch der kleine Kunstgriff des Autors, Eva vor Adam den Vortritt zu gewähren und damit einen "feminstischen Touch" zu erzeugen. Für völlig unpassend hält Sauerländer die "kunsthistorische Dekoration" des Textes, die rein illustrative Funktion habe und die Kunthistorie ihres inhaltlichen Anliegens beraube.
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