Rudolf Bultmann, einer der wenigen Selbstdenker der evangelischen Theologie im 20. Jahrhundert, verstand es, historische Rekonstruktion und gegenwartsbezogene Interpretation des Neuen Testaments miteinander zu verbinden. Selbst ein Meister der historischen Kritik, suchte er die Krise des Historismus mit dem hermeneutischen Konzept der existentialen Interpretation zu überwinden. Mit seinem umstrittenen Entmythologisierungsprogramm brachte er den Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens im neuzeitlichen Kontext zur Geltung. Zu Bultmanns 125. Geburtstag am 20. August 2009 erscheint die vorliegende Biografie, die seinen Lebens- und Denkweg nachzeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2009
Rechtzeitig zu Rudolf Bultmanns 125. Geburtstag hält Friedrich Wilhelm Graf die Biografie des engagierten Theologen in Händen. Laut Graf die erste große Lebensgeschichte zu Bultmann überhaupt. Gelungen erscheint sie dem Rezensenten bezüglich ihrer "positivistischen Detailfreude" (so bei der Nachlasserschließung) und "biederen Sachlichkeit", die den Mustern der Gelehrtenbiografie folgt, wie Graf erklärt. Allerdings stoßen Graf die von Konrad Hammann gelegentlich allzu gutgläubig übernommenen Selbstdeutungen Bultmanns unangenehm auf. Und wenn der Autor Bultmanns Aufsätze zusammenfasst, scheint dem Rezensenten, der Wille, Kontinuität nachzuweisen, größer, als der Blick für die Nuancen in Bultmanns Denken. Auch um die Auseinandersetzungen in Bultmanns Seminaren oder dessen Mut im Einsatz für verfolgte Juden für den Leser deutlich zu machen, meint Graf, fehlen dem Autor leider die analytischen Kategorien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2009
Großes Lob von Jürgen Kaube für diese Biografie eines streitbaren Theologen. Rudolf Bultmann zwischen allen Stühlen, doch nicht als Umstürzler und Liebhaber griffiger Formeln, sondern als tugendreicher, ja nobler Gelehrter - so stellt es sich Kaube dar nach der Lektüre von Konrad Hammans Buch, das der Rezensent klug gegliedert, detailreich und nie langweilig findet. Besonders beeindruckt hat ihn Hammans Schilderung von Bultmann während der NS-Zeit - das "Beste des deutschen Gelehrtenstandes", staunt Kaube. So wird das Buch für ihn zu mehr, als zu einer problemgeschichtlichen Darstellung (von Bultmanns Ringen um die Vereinbarkeit von Aufgeklärtheit und Glauben): Zur "Geschichte eines Charakters" und somit zu einem "Musterbeispiel gelungener Ideengeschichte".
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