Konrad H. Jarausch

Zerbrochener Spiegel

Deutsche Geschichten im 20. Jahrhundert
Cover: Zerbrochener Spiegel
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2005
ISBN 9783421056733
Gebunden, 493 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Friedrich Griese. Aufgrund des Holocausts, der Wiedervereinigung und der Globalisierung haben die nationalen, marxistischen und modernisierungstheoretischen Darstellungen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts an Überzeugungskraft verloren. Wie kann man nach dem "Ende der historischen Meistererzählung" noch eine deutsche Zeitgeschichte im europäischen Kontext schreiben? Konrad H. Jarausch und Michael Geyer, die seit Jahrzehnten in den USA lehren und sich einen distanzierten Blick auf die deutsche Gegenwart bewahrt haben, unternehmen nun den Versuch, die deutsche Geschichte des vergangenen Jahrhunderts neu zu deuten. Dabei gehen sie von dem Kontrast zwischen den anfänglichen Katastrophen und darauf folgenden Lernprozessen aus, betonen Brüche statt Kontinuitäten und wenden sich bislang vernachlässigten Themen zu, wie etwa der Bedeutung der Zuwanderung, der Frauenemanzipation, der Massenkultur und der Suche nach einer neuen nationalen Identität.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2006

Durchwachsen findet Carsten Kretschmann diesen Band über Deutsche Zeitgeschichte von Konrad H. Jarausch und Michael Geyer. Den postmodernen Ansatz, die Vergangenheit zu pluralisieren und statt von einer deutschen Geschichte von deutschen Geschichten zu sprechen, haben die Autoren seines Erachtens konsequent umgesetzt. Hier kommen auch seine Zweifel ins Spiel. Dass dieser Ansatz nicht wirklich originell ist, nimmt er den Autoren dabei gar nicht mal so übel. Auch scheint es ihm nicht uninteressant, den Niedergang der klassischen Meistererzählungen, der nationalen wie der marxistischen, zu verfolgen. Schließlich eröffnen die Essays für ihn eine Fülle von Einsichten und neuen Perspektiven. Aber trotzdem beharrt er auf der Frage, wie die von den Autoren erzählten Geschichten von Krieg und Völkermord, von der "Zähmung der deutschen Macht", von Mobilität und Migration, von der Suche nach nationaler Identität, vom Wandel des Frauenbildes, von der Massenkultur usw. zusammenhängen. Diese Frage bleibt zu seinem Bedauern nämlich offen. Zudem hält er den Autoren vor, immer wieder die Grenzen zwischen historischer Analyse und politischer Publizistik zu verwischen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.11.2005

Einen zwiespältigen Eindruck hat dieser Band der Historiker Konrad H. Jarausch und Michael Geyer über die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert bei Rezensent Edgar Wolfrum hinterlassen. Dafür macht er insbesondere die Präferenz der Autoren für eine fragmentierte Darstellung der deutschen Geschichte verantwortlich. Zwar hält er die methodologische Diskussion im ersten Drittel des Buchs, die treffend den Niedergang historischer Großzählungen egal ob nationaler, marxistischer oder modernisierungstheoretischer Natur schildern, für "stimulierend". Auch präsentierten die sieben, verschiedene historische Aspekte thematisierenden, "meisterhaft geschriebenen" Geschichten, welche die Autoren nebeneinander stellen, eine "Fülle anregender Gedanken und weiterführender Perspektiven". Aber Wolfrum hat im Grunde ein anderes Geschichtsverständnis. "Ein chronologischer und genetischer Zusammenhalt, der Verbindungen schafft," formuliert er seine Haupteinwände gegen das Werk, "fehlt ebenso wie Hierarchisierungen, die Wichtiges von weniger Wichtigem scheiden und Beziehungsgeflechte sowie Vernetzungen verdeutlichen."
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