Kolja Mensing

Die Legenden der Väter

Eine Suche
Cover: Die Legenden der Väter
Aufbau Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783351027346
Gebunden, 234 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

1946 wird im Nordwesten Deutschlands ein Kind geboren. Der Vater ist Pole, Soldat der Besatzungstruppen, die Mutter eine Deutsche. Die Liebe scheitert. Das Kind wächst heran, ohne den Vater, der in seine Heimat zurückgekehrt ist, je kennenzulernen. Viele Jahre später macht sich Kolja Mensing, der Enkel jenes polnischen Soldaten, auf die Suche nach einem Phantom. Der Journalist Kolja Mensing erzählt diese Suche suggestiv und anschaulich wie einen Roman. Von der vorsichtigen Annäherung dreier Generationen, die durch die historischen Verwerfungen des 20. Jahrhundert von einander getrennt wurden, aber auch davon, wie Erinnerungen in Familien weitergegeben und dabei wie von selbst zu Literatur werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011

Kolja Mensings Suche nach Spuren seines polnischen, nur aus verklärenden Erzählungen des eigenen Vaters bekannten Großvaters ist weder ein literarisch ambitionierter Familienroman noch Sachbuch, sondern eine sprachlich klar verfasste Dekonstruktion "im Dienst der Recherche", schreibt Sandra Kegel. Gefesselt verfolgt die Rezensentin, wie Mensing mit einigem Aufwand - zehn Jahre arbeitete sich Mensing durch Archive und führte Interviews, nicht ohne zuvor Polnisch gelernt zu haben - zum ernüchternden Kern der Geschichte vordringt: So entpuppt sich der vom Vater hochgehaltene Großvater am Ende als "fragwürdiger, jedenfalls meist glückloser Zeitgenosse". Bedauerlich findet Kegel es allein, dass diese historische Detektivarbeit mitunter durch etwas langatmige Geschichtserklärungen unterbrochen wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.10.2011

Ein Jahrzehnt Recherchearbeit in polnischen Archiven und andernorts steckt in diesem Buch, in dem der Autor die Geschichte seines ihm unbekannt gebliebenen polnischen Großvaters nach dem Zweiten Weltkrieg zu ergründen versucht, informiert uns Eva Behrendt. Damit gesellt sich Mensing zwar in die Nähe eines diesen Bücherherbst besonders markant hervortretenden Literaturzweigs - die literarische Erschließung der eigenen Herkunft -, hebe sich aber durch seine Faktenverbundenheit von diesem ab. Interessant werde dieses Vorhaben stets dann, so Behrendt, wenn Mensing sich selbst einbringt: Im Zuge der Recherchen habe sich nämlich erwiesen, dass der Großvater nicht der stets vom Vater verklärte Held gewesen sei, sondern ein halbseidener  "Durchwurschtler?. Zwar dauere es für Behrendts Geschmack "vielleicht etwas lange? bis sich dieser Aspekt in den Text schiebt, doch lohne es schlussendlich "unbedingt?, sich auf dieses "Projekt der Emanzipation? einzulassen.
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