Klaus Kellmann

Der Traum von der Großmacht

Frankreich: Deutschlands schwieriger Nachbar
Cover: Der Traum von der Großmacht
Metropol Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783863318321
Gebunden, 645 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Was wird Europa im 21. Jahrhundert sein, ein Global Player oder ein Zaungast der großen Weltläufe? Die Beantwortung der Frage hängt entscheidend von Deutschland und Frankreich ab, den beiden größten Mächten auf dem Alten Kontinent. Ihre Rivalität führte zur Entfesselung von zwei Weltkriegen, ihre Aussöhnung und Freundschaft nach 1945 zum Frieden und zur europäischen Integration. Klaus Kellmann verschweigt diese Erfolgsgeschichte keineswegs, aber er analysiert auch schonungslos ihre Schattenseite: de Gaulles Großmachtgehabe, Mitterrands Versuche, die deutsche Einheit zu verhindern, und Macrons anmaßende Führungsrolle in der Europäischen Union, basierend auf einer sich kalamitär zuspitzenden politischen und gesellschaftlichen Lage im eigenen Land. Da passt einiges nicht mehr zusammen. Wieder einmal ist die Achse Berlin-Paris, die Synergie und das Potenzial beider Nationen, politisch, ökonomisch und militärisch der einzige Ausweg aus der Krise, aber nur um den Preis der tatsächlichen Gleichberechtigung und Augenhöhe auf dem "Tandem". Misslingt dies, droht nicht nur den beiden Staaten, sondern ganz Europa der Absturz in die Zweitklassigkeit und Abhängigkeit, ja in die Bevormundung durch die Vereinigten Staaten von Amerika und China. Der Prozess ist bereits in vollstem Gang.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2026

"Voluminös, kundig und faktenreich" findet Rezensent Stefan Ulrich dieses Buch des Historikers Klaus Kellmann über die deutsch-französischen Beziehungen. Wer so richtig frankophil ist, der wird hier ein wenig dran zu knabbern haben, meint der Kritiker. Denn Kellmann ist nicht gerade zimperlich mit unserem Nachbarn. Wie "ein trotziges Kind" wirkt Frankreich in seiner Darstellung manchmal, der die These zu Grunde liegt, Frankreich pflege das Verhältnis zu Deutschland vor allem wegen der eigenen "Weltgeltung". Manchmal schießt der Autor in seiner Kritik etwas übers Ziel hinaus, meint der Rezensent, aber sein besonders "kritischer Duktus" trifft auch empfindliche Punkte. So dekonstruiert er verbreitete Mythen, zum Beispiel indem er das Ausmaß der französischen Kollaboration mit den Nazis deutlich macht. Auch auf den "Nationalhelden" Charles de Gaulle blickt Kellmann äußerst kritisch, genau wie auf Francois Mittérand. Stark findet der Kritiker vor allem den Teil, in dem der Autor detailliert belegt die "enorme wirtschaftliche Schwäche und Reformscheu" Frankreichs darstellt. Ein bisschen mehr hätte Kellmann ja schon auch auf die Erfolge der deutsch-französischen Freundschaft eingehen können, überlegt Ulrich, aber: Dieses Buch ist auf jeden Fall ein Weckruf, die Nachbarschaft nicht aus "Gleichgültigkeit" zu vernachlässigen.  

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