Aus heutiger Sicht erscheint es kaum noch vorstellbar, dass die beiden großen Länder im Herzen Europas einander jahrhundertelang so argwöhnisch wie eifersüchtig beäugten - und immer wieder in blutigen Konflikten aufeinandertrafen, etwa im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Dass die zwei Nationen nach 1945 überaus zügig zu einem freundschaftlichen Verhältnis gefunden haben, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass sich zahlreiche Menschen auf beiden Seiten immer wieder um Verständigung bemüht haben. Nicht zuletzt ist die Geschichte des deutsch-französischen Verhältnisses eine Geschichte der politischen Paare - von Helmut Kohl und François Mitterrand bis hin zu Angela Merkel und Emmanuel Macron. In einem lebhaften Gespräch entfalten Hélène Miard-Delacroix und Andreas Wirsching die wechselvolle Geschichte einer einzigartigen Nachbarschaft und erklären, wie wichtig die Kenntnis der gemeinsamen Vergangenheit
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2019
Clemens Klünemann begrüßt den Dialog von Hélène Miard-Delacroix und Andreas Wirsching über das deutsch-französische Verhältnis. Den Bogen von 1870/71 über die Kriege bis zu de Gaulle und Europa schlagen die Autoren laut Klünemann gekonnt mit Sinn für parallele wie unterschiedliche Sichtweisen auf die gemeinsame Geschichte beider Staaten. Dialogisch wird der Begriff der Nation umkreist und Erinnerungskultur geschrieben, erklärt Klünemann, der durch die Darstellung der verschiedenen erinnerungspolitischen Narrative allerdings auch mit zahlreichen Klischees konfrontiert wird. Auch wenn vieles im Buch vage bleibt, meint Klünemann, der Dialog der Historiker ist eröffnet.
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