Waterloo ist wohl die berühmteste Schlacht der Weltgeschichte, DAS Synonym für den zweiten Griff nach den Sternen und für das finale Scheitern. Trotz seiner erzwungenen Abdankung im Vorjahr und dem Exil in Elba wollte es der Ex-Kaiser Napoleon noch einmal wissen: Zwei Tage nach den Schlachten von Ligny und Quatre Bras standen sich am 18. Juni 1815, einem Sonntag, etwa 15 km südlich von Brüssel, nahe der kleinen Ortschaft Mont St. Jean, erneut 180.000 deutsche, niederländische, englische und französische Soldaten gegenüber. Der Militärhistoriker Klaus-Jürgen Bremm schildert die dramatische Vorgeschichte dieses Feldzuges und seine Etappen, analysiert das Schlachtgeschehen des Tages detailliert, porträtiert die Akteure, die Armeen und untersucht die Bewaffnung der Soldaten. Und er beschreibt Nachleben und Rezeption wie auch die Möglichkeiten und Grenzen, Kriegsgeschehnisse der Vergangenheit zu rekonstruieren.
Fünfzehn Jahre lang haben sich die Verlage kaum für napoleonische Jubiläen interessiert, weiß Stephan Speicher. Waterloo scheint ein anderer Hut zu sein: ein ganzer Schwung neuer Bücher behandelt die Schlacht von 1815, verrät der Rezensent. Klaus-Jürgen Bremm konzentriert sich in "Die Schlacht" dann auch hauptsächlich aufs Militärische, auf den Stand von "Feuerkraft, Beweglichkeit, Kommunikation" und die strategischen Folgen, so der Rezensent. Besonders interessant findet Speicher die These, dass Napoleons Charisma ihm letztendlich zum Verhängnis wurde, weil sein Mythos die Autorität der Unteroffiziere untergrub, was zu einer gewissen Behäbigkeit der Armee geführt habe, erklärt der Rezensent. Auf der anderen Seite staunt Speicher mit Bremm über die logistische Leistung der preußischen Truppen, die notwendig war, um Wellington rechtzeitig zu Hilfe zu kommen.
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