Klappentext
Aus dem Finnlandschwedischen von Kristina Maidt-Zinke. Helsinki, 1940/41. Für die junge Schauspielerin Molly fällt das Trauma des Krieges mit einer Krise ihrer künstlerischen Identität zusammen. Der Journalist Henry leidet unter den psychischen Folgen seines Einsatzes als Kriegsreporter und unter dem Konflikt mit der Redaktion, die seine ungeschönten Berichte nicht drucken will. Die fragile, oft dramatische Beziehung der beiden festigt sich in der Zeit des "Zwischenfriedens" - bis Finnland in den Zweiten Weltkrieg gezogen wird.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2026
Mit großer Eindringlichkeit vergegenwärtigt der Roman von Kjell Westö den Lapplandkrieg als Erfahrung einer ganzen Gesellschaft, wie Rezensent Stephan Opitz hervorhebt. Im Zentrum steht eine fragile Liebesgeschichte zwischen der Schauspielerin Molly Timm und dem Kriegsreporter Henry Gunnars, deren Beziehung unter dem Druck von Diktatfrieden, Zensur und Mobilmachung erst zerbricht und sich dann neu formt. Westö zeigt Künstlerfiguren mit "seismographischem Vermögen", deren Körper und Karrieren früh ahnen, dass "Finnlands Bewährungsprobe" gerade erst begonnen hat. Besonders beklemmend, so der Kritiker, sind Szenen aus Lazaretten, wo Traumatisierten Feigheit vorgeworfen wird, sowie der propagandistische Erwartungsdruck an Journalisten. Das vielstimmige Gesellschaftsporträt, klug und gut übersetzt, entfaltet eine "nahezu unheimliche Kraft" und zeigt, wie Krieg Intimität, Wahrheit und Öffentlichkeit deformiert.
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