Henrik Tikkanen

Brändovägen 8 Brändö. Tel. 35

Roman
Cover: Brändovägen 8 Brändö. Tel. 35
Verbrecher Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783957320148
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Brändövägen 8 Brändö. Tel. 35" - ein Titel, der aus einer finnischen Adresse und einer Telefonnummer besteht, was sagt der schon? Brändö (finn. Kulosaari) ist eine kleine Insel im Stadtgebiet von Helsinki, die 1907 von reichen schwedischsprachigen Kaufmannsfamilien nach dem Vorbild englischer Gartenstädte als Villenvorort angelegt wurde, "für gebildete Schwedisch sprechende Menschen aus gutem Haus und ohne finanzielle Sorgen", wie es in Henrik Tikkanens Roman heißt. "In echt finnlandschwedischem Geist hatte man sich in einer Festung eingeigelt und die zunehmend unappetitlichere Wirklichkeit ausgesperrt." Hier wächst der mit dem Autor identische Ich-Erzähler auf; Vater Architekt, Mutter Tochter eines Bonbonfabrikanten, Großvater Professor für Kunstgeschichte. Der Roman erzählt "eine gruselige Geschichte über vorzeitigen Tod, Unheil, Unzucht und Schnaps", wie bereits der erste Satz des Buches verspricht. Henrik Tikkanen beweist dabei seine stilistische Prägnanz und seinen durch und durch grimmigen Witz. "Brändövägen 8 Brändö. Tel. 35" ist ein Klassiker der schwedischsprachigen Literatur Finnlands, eine schonungslose Abrechnung mit der Oberschicht Helsinkis - und mit dem eigenen Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.06.2015

Deutlich zu kurz ist Henrik Tikkanens 152-seitiger Roman in den Augen von Viktor Funk. Schließlich sei jede Seite, fast jeder Satz dieses 1975 erstmals erschienenen finnischen Klassikers über bei Helsinki lebende schwedische Familien lesenswert, befindet der Kritiker. Derart gekonnt mache sich der Autor und Ich-Erzähler Tikkanen - selbst Sohn einer solchen elitären Einwandererfamilie - über seine Verwandtschaft und sich selbst lustig, dass dem Rezensenten gegen Ende des Buchs "die Bauchmuskulatur vor Lachen schmerzt". Verspieltes Geld, Seitensprünge, die unerfüllte Sehnsucht des Protagonisten nach einem besseren Verhältnis zum Vater: Das Unglück und den Niedergang der Familie kann Funk nicht wirklich bedauern, denn "ohne die Katastrophen gebe es dieses großartige Buch nicht".