Ist klassische Musik heute noch zeitgemäß? Kent Nagano glaubt, dass man sich dieser Frage stellen muss, wenn man der existenziellen Krise der Klassik entgegentreten will. Was liegt näher, als dies anhand seiner eigenen Biographie zu tun? Der Maestro erläutert, welche Rolle das Erlernen von Instrumenten in seiner Kindheit spielte und was gute Lehrer für Musik bedeuten. Er erzählt zutiefst persönlich von seinen Begegnungen mit Meisterwerken der Klassik und großen Komponisten, seiner Arbeit mit bedeutenden Orchestern und seinem unermüdlichen Engagement für den Nachwuchs.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2015
Was ist klassische Musik? Eine Antwort auf diese Frage findet Wolfgang Schreiber in dem von Kent Nagano in Zusammenarbeit mit der Publizistin Inge Kloepfer verfassten Band, in dem der Dirigent von seiner musikalischen Sozialisation berichtet, von seinen Vorbildern und dem Musikleben heute, um in ein leidenschaftliches Plädoyer für Musik zu münden. Dass Nagano dabei kein Kulturpessimist ist, merkt Schreiber schnell. Dem illusionslosen Blick auf die Branche folgen positiven Fragen und ein Hinweis auf die Unendlichkeit der Musik, meint der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2014
Mit Kent Naganos und Inge Kloepfers Buch kann sich Robert Jungwirth durchaus vorstellen, dass Musik mehr sein könnte als Mittel zum Distinkstionsvorteil. Naganos Ansatz einer Musikvermittlung für alle scheint dem Rezensenten plausibel, weil der Autor klassische Musik eben nicht im Sinn des Kulturbürgertums bewirbt, wie Jungwirth versichert, sondern existenzielle Bereicherung unabhängig vom Einkommen. Der Funke springt über, wenn der Dirigent seine Hausgötter von Bach über Schönberg bis Messiaen vorstellt oder den Blickwinkel ins Soziologische ausweitet. Ein Plädoyer für den ideelen Wert von klassischer Musik, das dem Rezensenten optimistisch, doch alles andere als blauäugig erscheint.
Manuel Brug ist recht erstaunt, wie erregt ihm Kent Nagano in diesem Buch entgegentritt: Der sonst so zurückhaltende Dirigent erklärt hier nicht nur recht emphatisch seine Liebe zur Musik, sondern liest auch der Politik die Leviten, die der Klassik immer weniger Bedeutung beimisst und am Musikunterricht ebenso spart wie an den Konzerthäusern. Aber auch den Betrieb selbst nimmt er in die Pflicht, die Musik wieder näher an die Menschen zu bringen. Was Brug im Einzelnen von Naganos Streitschrift hält, sagt er nicht, er wünscht ihr jedoch viele Leser.
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