Die grandiose Lebens- und Liebesgeschichte des gottbegnadeten Dirigenten Karl Amadeus Herzog ein erzählerisches Bravourstück über die Gier nach Ruhm und Erfolg, über Schuld und Verrat ein einzigartiges Porträt des 20. Jahrhunderts. Als Karel Bohumils über alles geliebter Vater am Vorabend des Ersten Weltkrieges vor seinen Augen erschossen wird, ahnt keiner, dass dieser kleine Klavierspieler der größte Dirigent des 20. Jahrhundert werden wird. Außer vielleicht Franziska Wertheimer, deren Familie in Karlsbad kurt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2011
Ein Drehbuch eher als einen Roman hat Lena Bopp hier gelesen, was sie eindeutig als Kritik verstanden wissen will. Denn an den Gedanken und Gefühlen seiner Figuren lasse Bernhard Sinkel seine Leser kaum teilhaben. Stattdessen reihe er Bilder aneinander, effektvoll inszeniert, wie geschaffen für die Kamera, meint die Rezensentin. Dabei hätte sie gerne erfahren, welche Auswirkungen der Karrierismus der Hauptfigur auf die ihm Nahestehenden hat. Der Dirigent Karl Amadeus Herzog opfert immerhin zwei Ehen auf dem Altar des Erfolgs und bemächtigt sich schließlich der Geliebten seines eigenen Sohnes, um eine dritte einzugehen, teilt die Rezensentin mit. Einsichten in das Innenleben der Geschädigten hätte Bopp weitaus romanesker gefunden, als die (zudem häufig ins Kitschige abgleitende) Bilderflut, mit welcher Sinkel seine Geschichte ausstaffiere. Auch die historischen Krisen des zwanzigsten Jahrhunderts seien nicht mehr als "dramatisierende Kulisse", klagt die Rezensentin und legt dem Regisseur Sinkel nahe, doch lieber beim Film zu bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2011
Diese fiktive Dirigentenbiografie hätte Kristina Maidt-Zinke, wenn überhaupt, lieber als Film gesehen denn als dicken Roman gelesen. Regisseur und Autor Bernhard Sinkel schafft es in ihren Augen nämlich nicht, Klischee- und Kitschklippen sicher zu umschiffen oder Pathos und sprachliche Schnitzer zu vermeiden. Sein Dirigentenleben im 20. Jahrhundert stilisiert seinen Helden zum karrieristischen, auch mit den Nazis paktierenden Maestro und erinnert damit, ohne "Schlüsselroman" sein zu wollen, arg an Herbert von Karajan, so Maidt-Zinke, vor deren geistigem Auge schon die TV-Saga flimmert. Als Film allerdings wäre mancher sprachlicher Missgriff vielleicht nicht so sehr ins Gewicht gefallen und einiges hätte sich schlicht in Aktion setzten lassen, anstatt in unfreiwillig komische Formulierungen zu fließen, vermutet die Rezensentin, die dafür Sinkels aus seinen Filmen bekannten ironischen Humor hier schmerzlich vermisst. Und so kann sie außer einer Winterszene in Prag nichts in diesem Roman entdecken, das Anspruch auf "Ewigkeit" hätte.
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