Aus dem Englischen von Jan Dinter. Kanada, Anfang der Jahrtausendwende. Mit dem Ziel, ihr Studentendarlehen abzubezahlen, macht sich die junge Historikerin Katie aus Nova Scotia auf ins vom Ölrausch beseelte Alberta an der kanadischen Westküste. Damit reiht sie sich in die lange Tradition der kanadischen Ostküstenbewohner:innen ein, die ihre geliebte Heimat auf der Suche nach Arbeit und Perspektiven verlassen müssen. Auf den Ölsanden Kanadas, wo die Industrie seit Jahren die Landschaft abträgt und die Erde vergiftet, lernt Katie eine harsche Wirklichkeit kennen, in der Traumata an der Tagesordnung sind, aber nie angesprochen werden. Kate Beatons Zeichentalent kommt besonders dann zur Geltung, wenn sie kolossale Maschinen und gigantische Fahrzeuge vor dem Hintergrund der atemberaubenden Natur Westkanadas zeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.06.2023
Beeindruckt zeigt sich Kritikerin Martina Knoben von Kate Beatons Graphic Memoir, in das die Kanadierin schockierende Erfahrungen von der Arbeit in den Fracking-Camps Albertas einarbeitet. Nicht nur die harte, gesundheits- wie umweltgefährdende Arbeit kommt hier zur Sprache, sondern vor allem der abstoßende Sexismus, der einer jungen Frauen in einer männerdominierten Branche entgegenschlägt, erklärt Knoben. Von zunächst sexistischen Bemerkungen geht es bis zur Vergewaltigung der Protagonistin, die die Künstlerin als schüchtern, jung und schmal zeichnet, in blaugrau gehaltenen Panels, die die Enge des Betriebs für die Rezensentin greifbar machen. Doch auch die umwerfende Natur Kanadas bekommt sie in Zeichnungen zu sehen, die eine überzeugende Symbiose aus Natur und Surrealismus schaffen. Ein Comic, der nicht zurückschreckt vor der harten Wahrheit und dennoch nicht sein Mitgefühl gegenüber denen verliert, die diese Ölfelder aushalten müssen, resümiert die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.06.2023
Was für eine Graphic Novel, staunt Rezensentin Susanne Billig. Die kanadische Comiczeichnerin Kate Beaton führt sie in die Ölsandcamps in der kanadischen Provinz Alberta, wo Beaton selbst einige Zeit lebte und arbeitete, um ihren Studienkredit abzuzahlen. In jener von Drogen und Alkohol geprägten "Männer- und Maschinenwelt" erlebt sie aber nicht nur widerwärtige Kommentare und Übergriffe gegenüber Frauen, die bis hin zu einer Vergewaltigung führen, sondern sie erfährt auch von Umweltverschmutzung und Missachtung der Indigenen vor Ort. Wie Beaton das in "klaren, dystopischen" Schwarzweiß-Zeichnungen festhält, zunächst chronologisch, schließlich auch durch Brüche, die bei der Betrachterin wirkungsvolle Irritationen hervorufen, findet Billig stark. Nicht zuletzt lobt sie die detailreichen Porträts der Arbeiterinnen und Arbeiter.
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