Karl Schlögel

Promenade in Jalta und andere Städtebilder

Cover: Promenade in Jalta und andere Städtebilder
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446200050
Gebunden, 311 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Der Osten ist noch lange nicht entdeckt. Königsberg und Czernowitz, Lemberg und Odessa, die großen Flüsse und die weiten Räume - Karl Schlögel, Publizist und Professor für Osteuropäische Geschichte, hat über die Welt im Osten, ihre Menschen, ihre Ideen und ihre Geschichte geschrieben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2001

Was wir über den Wilden Osten wissen, da ist sich Rezensent Stephan Wackwitz sicher, ist auf die ein oder andre Weise präfiguriert von den Texten Karl Schlögels, dessen Essays und Reportagen in diesem Band (der fast einen ganzen Band der "Anderen Bibliothek" schluckt, wie der Rezensent staunend feststellt) erneut aufgelegt werden. Wackwitz vermerkt diesen Umstand mit Genugtuung, scheint der Autor ihm doch ein kundiger und begeisterter Führer zu sein, "ein Cicerone ..., der uns die Freiheit gelassen hat, eigene Erfahrungen zu machen und Eindrücke zu sammeln." Schlögels von der alten "Mitteleuropa-Begeisterung" geleiteter Blick schmälert diese Freiheit offenbar nicht (bzw. nur dann, wenn er "manchmal unzulässig idealisiert"). Für Wackwitz hat das was Sympathisches und "schärft auch den eigenen Blick", jener Utopie in den Texten wieder zu begegnen: "in dem sozusagen atemlosen und immer begeisterten Staunen" vor allem über "die Vielfalt und das Kleine, das Turbulente und das Abseitige".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2001

Viele von Karl Schlögels Aufsätzen und Essays hat Roland H. Wiegenstein schon einmal gelesen. Und so, wie er den Autor im letzten Jahrzehnt für seinen Kenntnisreichtum und seine Leidenschaft für Osteuropa bewundert hat, so ist es dem Rezensenten auch bei der wiederholten Lektüre ergangen. Die Stadtporträts von Schlögel üben auf Wiegenstein einen eigentümlichen Reiz aus. Mit stereoskopischem Blick lege Schlögel die unteren Schichten einer Stadtansicht bloß und verbinde vortrefflich den neugierigen Blick des Reisenden mit der unermüdlichen Suche nach Spuren aus der Vergangenheit, schreibt Wiegenstein. Der Rezensent hat nur einen Wunsch. Schlögel sollte sich noch einmal auf die Reise begeben und die Beschreibungen, die Ende der Achtziger Jahre entstanden sind, um aktuelle Eindrücke ergänzen. Denn Schlögels Ausführungen über die Aufbruchstimmung findet Wiegenstein so spannend, dass er gern erfahren würde, wie es mit Menschen und Städten weiterging.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.06.2001

Osteuropa-Experten gibt es viele, aber kaum einen, der so vielseitig ist wie Karl Schlögel, ist Marta Kijowska überzeugt. Der hat in Berlin, Moskau und St. Petersburg studiert, bereits einige wegweisende Bücher zum Thema verfasst und ist heute Professor für Osteuropäische Geschichte in Frankfurt an der Oder, informiert die Rezensentin. Europa hält Schlögel für einen "neuen Kontinent", denn die Veränderungen im Osten wirkten sich auf den gesamten Erdteil aus. Über den Osten sei aber denkbar wenig bekannt, klagt nicht nur der Autor. Sein Buch sei ein Beitrag für ein besseres Verständnis vom Osten. Und das ist ihm gelungen, meint Kijowska, denn es enthalte viele Informationen, die sie zu einer anderen Sichtweise verleitet hätten. Nicht nur Historisches werde hier von Schlögel präsentiert, sondern die 25 Berichte, Essays und Vorträge aus den Jahren 1988 bis 2000 enthielten auch viele Alltagsbeobachtungen, Stimmungsvolles und Nostalgisches, wenn auch, schränkt die Rezensentin ein, die Ankündigung des Verlages, hier handle es sich um einen "Abenteuer- und Liebesroman", doch etwas weit hergeholt sei.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2001

In einem Essay, der vor Enthusiasmus geradezu vibriert, preist Andreas Breitensetin den Autor als eine Art Märchenprinzen: Niemand habe wie Schlögel die - zumindest für den Westen - versunkene Geschichte und Realität Mittel- und Osteuropas "wachgeküsst". "Schlögel ist ein Ostverführer... Glücklich mischen sich in seinen Texten Essay und Reportage, Theorie und Anschauung, Enzyklopädie und Detailbeobachtung". Breitenstein schildert, mit welchem Aufwand und aus welchen Quellen Schlögel sein Material beibringt: Er begnügt sich nicht mit Reisen, er liest auch alte Telefonbücher oder Vorlesungsverzeichnisse. "Grandios" findet er dabei auch, wie Schlögel in dem Essay "Unmixing Europe - Kosovo war überall" seine zentrale These entfaltet: Demnach war der Krieg um Kosovo nur die letzte Station in einem säkularen und tragischen Prozess der "Entmischung" Europas, der seit dem Ersten Weltkrieg andauert. Breitensetein betont aber, dass Schlögel nicht einfach ein Elegiker der unwiederbringlich verlorenen Multikulturalität Osteuropas sei, sondern im Gegenteil auch ein Visionär, der in den archaischen Basars der russischen Städte die Zeichen einer heraufziehenden europäischen Zivilgesellschaft erkennt. Eine kritische Bemerkung schleicht sich nur bei Schlögels Schilderung der Stalinschen Bau- und Industrialisierungstätigkeit ein, der nach Breitenstein "etwas Apologetisches anhaftet".
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