Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783465047506 Kartoniert, 100 Seiten, 19,80
EUR
Klappentext
Karl Mannheim (1893-1947) ist bekannt für seine Intellektuellen- und Wissenssoziologie; er gilt zusammen mit Karl Loewenstein auch als Mitbegründer der Idee der "streitbaren" oder "wehrhaften Demokratie". Die Idee ist angesichts der gegenwärtigen Gefährdung der Demokratie durch das Erstarken rechtsextremer Strömungen und der Debatte um mögliche Parteienverbote erneut von brennender Aktualität. Mannheim wird im Rahmen dieser Diskussion meist nur kurz erwähnt, aber nicht näher behandelt. Bereits in seinem 1943 erschienenen Buch "Diagnosis of Our Time" (Titel der deutschen Übersetzung: "Diagnose unserer Zeit") hatte Mannheim diese Idee der "militanten Demokratie" entwickelt. Die deutsche Fassung des Werkes ist jedoch seit 1952 nicht wiederveröffentlicht worden, und der zentrale Begriff der "militanten Demokratie" wurde darin als "streitbare Demokratie" übersetzt. Weitgehend unbekannt ist zudem, dass Mannheim kurz nach Kriegsende Radio-Vorträge für den German Service der BBC hielt, in denen sich Vorschläge für eine praktische Umsetzung seiner (Bildungs-) Ideen für eine "militante Demokratie" finden. In diesem Band werden sowohl für das Thema zentrale Ausschnitte aus "Diagnosis of Our Time" in neuer Übersetzung wieder zugänglich gemacht, als auch diese in deutscher Sprache gehaltenen Radiovorlesungen erstmals ediert. Sie sind ein prägnantes Beispiel für Mannheims Wirken als "öffentlicher Soziologe".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2026
Rezensent Alexander Gallus liest mit Gewinn die von Oliver Neun herausgegebenen und "kundig" eingeleiteten Texte zur "militant democracy" des Soziologen Karl Mannheim. Die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs entstandenen Texte zeigen Gallus, inwiefern Mannheim die Verteidigung der Demokratie als gesellschaftliche Aufgabe verstand. Dieser "weitere", auf Mannheims Erfahrungen im Londoner Exil zurückgehende Demokratiebegriff ist es, der Gallus gut zur Lage im heutigen Deutschland zu passen scheint. Mannheims Verständnis von einer auf aktiver gesellschaftlicher Teilhabe und Engagement beruhenden Demokratie ist allerdings ein anspruchsvolles, findet Gallus.
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