Eine detaillierte Studie über das Führungspersonal der Konzentrationslager hat es bisher nicht gegeben. Die vorliegende Arbeit schließt diese Forschungslücke. Wer waren die Männer, die vor Ort die Verantwortung trugen, und was wurde aus ihnen nach 1945? Nach einer Einführung über die Entwicklung der nationalsozialistischen Konzentrationslager untersucht die Autorin die sozialstrukturelle Zusammensetzung der Führungsgruppe, wobei sich ein präzises Profil herausbildet. Zur Veranschaulichung werden 9 Werdegänge detailliert präsentiert. Es gelingt Karin Orth dabei, das auf vielfältige Weise verwobene soziale Netz des SS-Führungskorps herauszuarbeiten: Freundschaften und ein eigener sprachlicher Code schufen einen gemeinsamen gesellschaftlichen Kontext, vor allem aber wurde das Geflecht durch die gemeinsam verübten Verbrechen und die Formen der kollektiven Gewalt zusammengehalten. In diesem Zusammenhang verfolgt die Autorin auch die Frage nach der an bestimmte Ereignisse gebundenen Eskalation des Terrors.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.09.2000
Tillmann Bendikowski lobt dieses Buch als "überzeugende Studie", in der die Autorin einerseits der Frage nachgeht, welcher Herkunft das Führungspersonal der Konzentrationslager war und welche "Unterweisungen" es für ihre Tätigkeit gegeben hatte. Demnach kam die Mehrheit der Kommandanten, wie der Leser erfährt, aus mittelständischen Familien, die sich in der Weimarer Zeit von einem "sozialen Abstieg bedroht sahen". Besonders interessant scheint der Rezensent Orths Ausführungen darüber zu finden, wie die SS-Männer zum Teil im KZ Dachau unter Anweisung von Theodor Eicke darin trainiert wurden, `mit eigenen Händen zu foltern und zu töten` und dabei ihre eigenen Gefühle zu verdrängen. Orth hat bei ihrer Recherche, so Bendikowski, mehr als 200 Personalakten ausgewertet. Die Stärke des Buchs liegt für ihn u. a. darin, dass die Autorin durch die Bündelung der Informationen "die gemeinsamen Erfahrungen dieser Täter" und damit ihr Handeln plausibel macht. Abschließend weist der Rezensent darauf hin, dass - anders als viele NS-Eliten - ein "erheblicher Teil der Konzentrationslager-SS" nach dem Krieg tatsächlich auch verurteilt worden ist.
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