Im Mittelpunkt des Buches von Jutta Voigt steht eine Boheme, die ein elementares Interesse verfolgte: das andere Leben. In den frühen DDR-Jahren mit rebellischem Elitebewusstsein und Aufbruchspathos, zunehmend kritisch und reformerisch in den Siebzigern, distanziert bis gleichgültig in den Achtzigern. Die Künstler - von Brecht bis Müller, von Hacks bis Wawerzinek, von Berlau bis Krug, von Thalbach bis Schlesinger - wollten nur eins: als Individuen existieren, unkontrolliert sie selber sein dürfen. Besonders in den zerfallenden Mietshäusern des Prenzlauer Berg in Berlin, aber auch in Leipzig, in Dresden-Loschwitz und in der Altstadt von Halle entwickelte sich eine subkulturelle Szene zwischen Distanz, Skepsis und Hedonismus.
Eine Menge Gedanken über die Boheme des Ostens, die ideologische Freiheit in der DDR, das "richtige Leben im falschen" gehen Rezensent Michael Pilz durch den Kopf, als er vor den in der Kunsthalle Rostock ausgestellten Bildern aus der "Sibylle" steht, im Hinterkopf Jutta Voigts Ausführungen über die Rolle des Magazins für Mannequins und Mütter, aber auch die Bohemiens der DDR. Diese Gedanken hält er in seiner ausführlichen Rezension fest. Zum Beispiel, dass die Frauen in der "Sibylle" schöner waren als in der "Brigitte", selbstbewusst und sinnlich.
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