Herausgegeben von der Kunsthalle Rostock. Die "Sibylle" war die Zeitschrift für Mode und Kultur der DDR. Die ob ihrer inhaltlichen Qualität auch als Ost-Vogue titulierte Zeitschrift erschien sechsmal jährlich, in einer zu DDR-Zeiten planwirtschaftlich reglementierten Auflage von 200.000 Exemplaren und war, wegen grosser Nachfrage regelmäßig schnell vergriffen. Ihre MacherInnen waren vorrangig Mode-Designer, Fotografen und Journalisten mit einem hohen inhaltlichen und qualitativen Anspruch. Die Bildsprache des Magazins war für die DDR und andere Länder hinter dem Eisernen Vorhang stilprägend. Die "Sibylle" war keine reine Frauen- oder Modezeitschrift. Vielmehr war der redaktionelle Anspruch immer auch aktuelle gesellschaftlich-kulturelle Themen zu behandeln. Das Buch stellt die wichtigsten FotografInnen und deren Arbeiten für die "Sibylle" über den gesamten Erscheinungszeitraum von 1956 bis 1995 in ausführlichen Bildstrecken vor.
Rezensentin Brigitte Werneburg lernt die subversive Kraft der DDR-Modezeitschrift "Sibylle" in diesem Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung kennen. Während die Kritikerin hier zunächst noch ein paar Nachkriegsglamour-Aufnahmen aus den frühen Sechzigern, etwa von Arno Fischer, betrachtet, entdeckt sie in vielen der inszenierten Bilder dokumentarischen Realismus - etwa bröckelnden Putz, der vom Zentralkomitee sofort angemahnt wurde, wie Werneburg in einem Beitrag von Thomas Winkler erfährt. Überhaupt betrachtet die Rezensentin fasziniert die Aufnahmen namhafter Fotografen, die für die stets schnell vergriffene Zeitschrift arbeiteten, schaut sich Monika Maron, Christa Wolf, Corinna Harfouch oder Katharina Thalbach in "großbürgerlich anmutenden Interieurs" an und stellt erstaunt fest: Hier war sogar die sonst verbotene Melancholie möglich.
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