Justine Picardie

Chanel

Ihr Leben
Cover: Chanel
Steidl Verlag, Göttingen 2011
ISBN 9783869301792
Gebunden, 428 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gertraude Krueger und Dörthe Kaiser, mit Zeichnungen von Karl Lagerfeld. Mit zahlreichen Fototafeln und Zeichnungen. Coco Chanel ist eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Doch wer sich ein Bild von ihr zu machen versucht, stößt auf zahllose Mythen und Verklärungen. Justine Picardie interessiert sich für den Menschen hinter den Legenden. In ihrem Buch erzählt sie die wahre Geschichte der Frau, die die Mode revolutionierte und ein Imperium der Kleidung, Düfte und Accessoires schuf. Als erste Autorin überhaupt erhielt sie unbegrenzten Zugang zum Chanel-Archiv, dem sie zahlreiche neue Einblicke und Details verdankt. Justine Picardie schildert den Weg der kleinen Näherin Gabrielle zur stilprägenden Mode-Ikone Coco Chanel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2011

Ingeborg Harms meint, dass es, um den Mythos Coco Chanel in einer Biografie erneut zu beschwören, schon eines besonderen erzählerischen Clous bedarf. Den Zugang, den die Autorin wählt, kommt zwar sehr leise daher, und löst auch, wie die Rezensentin zugibt, zunächst einige Irritationen aus. Er erweist sich im Fortgang der Biografie aber als sehr gewinnbringend, lobt Harms. Picardie begibt sich an die Stätten der wichtigen Lebensstationen der Modedesignerin wie dem Zisterzienserkloster in Aubazine oder ihrer Villa an der Cote D'Azur und gewinnt allein aus der Erfahrung des Ortes erhellende Einblicke. Damit gelingt ihr mit leichter Feder ein eindringliches "Psychogramm" einer durch das Verlassenwerden vom Vater lebenslang beeinflussten Persönlichkeit, so die Rezensentin fasziniert. Insbesondere die Klosterästhetik, die sich in den Modeschöpfungen Chanels niederschlägt, und die lange Entwicklungsgeschichte des legendären Chanel-Kostüms gewinnt hier eindrücklich Kontur, findet Harms. Angenehm scheint ihr auch die zurückgenommene Art, wie Picardie mit den Verstrickungen Chanels mit dem Nationalsozialismus umgeht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.08.2011

Zwei neue Bücher über Coco Chanel hat Rezensentin Anna von Münchhausen gelesen, doch während sie über über Hal Vaugahans Räuberpistolen nichts Gutes sagen kann, hat sie in Justine Piacrdies Biografie der Modeikone immerhin einiges Interessantes gefunden. Negativ zu Buche schlagen für die Rezensentin allerdings, wie lahm Picardie von Chanels frühen Jahre erzählt und dass sie überhaupt nichts über Chanels Anfänge als Modedesignerin erzählt. Eben noch die kleine Hutverkäuferin ist sie plötzlich Herrin eines weltweiten Modeimperiums. Chanels gesellschaftlichen Aufstieg als Liebhaberin einflussreicher Männer findet Münchhausen dann immerhin temporeich geschildert, und für die vielen Auslassungen wird sie dann durch Fotos und Karl Lagerfelds Chanel-Skizzen entschädigt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2011

Das Leben der Coco Chanel liest sich wie ein Roman, der von Emile Zola begonnen, von Marcel Proust fortgesetzt und von Balzac vollendet wurde, stellt Rezensent Johannes Willms nach der Lektüre von Justine Picardies umfangreicher Chanel-Biografie fest. Dem nicht ganz einfachen Vorhaben, ein derart märchenhaftes Dasein zu schildern, werde die Autorin durchaus gerecht; nicht zuletzt weil ihr durch Chanels eigene Pläne, eine Biografie verfassen zu lassen, zahlreiche Quellen von Schriftsteller- und Journalistengesprächen zur Verfügung standen. Auch wenn die Geduld des Autors teilweise durch Picardies Entscheidung, all diese Zitate ausführlich aneinanderzureihen, strapaziert wurde, lobt er die "erhellenden" Einblicke in Chanels von Armut geprägter Kindheit und Jugend, die Coco selbst gern verschwieg.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.05.2011

Rezensentin Brigitte Werneburg muss nach der Lektüre von "Chanel. Legende und Leben" leider feststellen, dass der Versuch der Journalistin Justine Picardie, Licht in den Mythos Chanel zu bringen, teilweise gescheitert ist. Das ist umso bedauerlicher, da Picardie, wie die Rezensentin weiß, als erste Autorin überhaupt unbegrenzten Zugang zum Chanel-Archiv erhielt. So berichtet sie zwar Interessantes über Cocos Versuch, ihren für die Produktion von Chanel No. 5 gewonnenen, jüdischen Geschäftspartner Pierre Wertheimer mit Hilfe der Rassengesetze loszuwerden - die Rezensentin hätte sich hier aber gewünscht, dass die Fakten noch mehr ausgeleuchtet worden wären. Dies gilt ebenso für Picardies beschönigte Beschreibung des "Mäzenatentums" Wertheimers: zwar finanzierte er und rettete so die erste Nachkriegskollektion Chanels, im Gegenzug überschrieb Coco ihm aber ihr Modehaus und ihre Namensrechte. Nichtsdestotrotz lobt die Kritikerin Picardies über weite Strecken "angenehm sachliche" Schilderung des Aufstiegs, Falls und Comebacks der Coco Chanel.
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