Emanuele Coccia, Alessandro Michele

Das Leben der Formen

Eine Philosophie der Wiederverzauberung
Cover: Das Leben der Formen
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446276529
Gebunden, 256 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Thomas Stauder. Mode ist Philosophie. Der Philosoph Emanuele Coccia und der Modedesigner Alessandro Michele stellen traditionelle Annahmen über Kleidung auf den Kopf. Denn ein Outfit ist für sie viel mehr als ein Konsumgut: Es ist ein Kunstwerk, das jede:r von uns trägt. Alles, was lebt, gibt und entdeckt Formen. Diese philosophische Annahme verkörpert die Mode für sie und ist damit die radikalste unter den Kunstformen, denn sie findet jeden Tag auf der Straße statt. Die Vielfalt des Lebens, die Micheles Kreationen zeigen und die Coccias Philosophie feiert, bildet den Ausgangspunkt für einen neuen Blick auf Kleidung, Identität und Freiheit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.04.2025

Zwei Autoren hat dieses Buch über die Philosophie der Mode, und vielleicht ist das einer zu viel, findet Rezensentin Rabea Mira Weihser. Denn wo sie mit den durchaus praxisnah angelegten Gedanken des Designers Alessandro Michele über seine Arbeit und was sie bedeutet, doch einiges anfangen kann, hätte sie auf die ebenfalls enthaltenen Ausführungen des Philosophen Emanuele Coccia gut verzichten können. Denn letzterer wirft der Kritikerin zufolge mit theoretischen Begrifflichkeiten und "Superlativen" um sich, die, findet Weihser, wenig erhellend sind. Dass Coccia mit Max Weber darauf verweist, dass Mode einen Beitrag zur Wiederverzauberung der Welt leistet, scheint der Rezensentin zwar schlüssig. Wenn dann aber materialistische und ökonomische Dimensionen des Phänomens gar nicht erst in den Blick geraten und auch keine Definitionen der zentralen Begrifflichkeiten geliefert werden, wird sie doch ziemlich skeptisch. Als "Poetologie" Micheles Schaffen lohnt sich die Lektüre aber, schließt Weihser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.03.2025

Rezensentin Tania Martini liest interessiert, stellenweise auch skeptisch ein Buch, das der Philosoph Emanuele Coccia und der Modeschöpfer Alessandro Michele gemeinsam verfasst haben. Interessant ist dabei insbesondere die Gestaltung der Beiträge Micheles, lesen wir, die im Stil des Talmuds von Coccia jeweils auf derselben Seite kommentiert werden. Inhaltlich geht es bei Coccia um den Versuch, die Philosophie mit einer Sinnlichkeitsdimension anzureichern, zentral ist der Begriff der Form, der sowohl Artifizielles als auch Lebendiges umfasst und Martini an Latours Netzwerktheorie erinnert. Mode kommt ins Spiel, weil in ihr Kunst und Leben radikal in eins gesetzt werden. Micheles Beiträge wiederum fahren einen ganzen Apparat an Theoriereferenzen auf, von Walter Benjamin bis Donna Haraway, lesen wir weiter, in recht idiosynkratischer Manier konstelliert der Designer diese Vorlagen zu einem Denken, das identitäre Zuschreibungen hinter sich lassen will. Von einer soziologischen Annäherung an Mode, die auf gesellschaftliche Hierarchien und Geschlechterzuschreibungen abhebt, wollen Coccia und Michele offensichtlich nichts wissen, bemerkt Martini. Ganz einverstanden ist die Rezensentin mit der stattdessen angebotenen Flucht in die Mehrdeutigkeit, die in Micheles Mode mit einer Hinwendung zur Vergangenheit einher geht, nicht. Interessante Gedanken zum Formbegriff wie auch zur Modetheorie und Dekonstruktion allgemein entnimmt die Rezensentin diesem Buch dennoch.

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