Klappentext

Alexandra Ramm-Pfemfert, geboren 1883 in Russland, verließ - ebenso wie fast alle ihre zahlreichen Geschwister - mit achtzehn Jahren das jüdisch-orthodoxe Elternhaus und kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Deutschland, wo sie schnell Zugang zum Berliner Boheme-Milieu fand. Sie wurde die Lebensgefährtin Franz Pfemferts, des Herausgebers der Zeitschrift Die Aktion, hatte Anteil an dessen vielfältigen politischen Aktivitäten und Kontakten (z.B. mit Rudolf Rocker, Otto Rühle, Rosa Luxemburg). Sie übersetzte zahlreiche belletristische und historische Werke aus dem Russischen und seit 1929 auch die wichtigsten Arbeiten des aus der Sowjetunion ausgewiesenen Trotzki, mit dem sie eine umfangreiche, freundschaftliche Korrespondenz unterhielt. 1933 floh sie mit Franz Pfemfert zunächst nach Karsbad, dann nach Paris. Nach ihrer Flucht 1940 aus dem französischen Internierungslager Gurs gelangte sie über Spanien und Portugal nach New York und schließlich nach Mexiko. Nach Pfemferts Tod 1954 kehrte sie nach Westberlin zurück, wo sie im Januar 1963 starb. Alexandra Ramm-Pfemferts Lebensgeschichte spiegelt, bei aller individuellen Einzigartigkeit, die vielfältigen politischen Konstellationen ihrer Zeit. Vor diesem Hintergrund und anhand hunderter unpublizierter Archivdokumente hat Julijana Ranc ihre wechselvollen Lebensphasen rekonstruiert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.07.2005

Das Buch ist zwar recht trocken geschrieben, merkt Katrin Sorko an, dafür aber akribisch recherchiert. Und die Geschichte der Alexandra Ramm-Pfemfert ist so spannend und lebensvoll, dass sie wohl auch die etwas pedantische Darstellungsart des Buchs überlebt. Sorko ist jedenfalls ganz begeistert. Ramm-Pfemfert war keineswegs nur die Gattin des berühmten Franz Pfemfert, des Gründers der Expressionisten-Zeitschrift "Die Aktion", sondern hat in der Kulturgeschichte der Avantgarden und Revolutionen auch ihre ganz eigenen Spuren hinterlassen, vor allem als eine frühe Trotzkistin, die den großen Revolutionär zum Schreiben seiner Autobiografie "Mein Leben" anhielt und einige seiner Schriften übersetzte. Bis in die fünfziger Jahre, als die Jüdin aus dem Exil nach Berlin heimkehrte, hegte sie das Erbe Pfemferts und Trotzkis. Begriffe wie "Kampf" und "Revolution" prägten das, was Sorko das "Gegenleben" der  Alexandra Ramm-Pfemfert nennt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.03.2005

Sehr nüchtern sei die Bilanz "Alexandra Ramm-Pfemfert. Ein Gegenleben" ausgefallen, hält Mascha Jacobs fest. Die politischen Ziele und Überlegungen der vor allem als Trotzki-Übersetzerin bekannt gewordenen Ramm-Pfemfert seien in der Zeitschrift "Aktion" sehr gut dokumentiert, so Jacobs, der von ihrem Mann herausgegebenen Zeitschrift, dem wichtigsten Organ der linksradikalen und expressionistischen Intelligenz der 10er und 20er Jahre. Auch Jacobs vermischt in ihrer Rezension immer wieder das Leben Ramm-Pfemferts mit dem ihres Mannes, so dass ihre Persönlichkeit kaum eigene Konturen gewinnt (womöglich war das ja auch so). Politische Beiträge und Briefe sind jedenfalls in einem eigenen Anhang dokumentiert, außerdem gibt es eine kurze Biografie, die ein arbeitsreiches und von politischen Ereignissen konterkariertes Leben schildert, so Jacobs. Nur selten erfahre man persönliche, alltägliche Details aus dem Leben der Pfemferts, die zunehmend in die politische Isolation gerieten, weil sie auch zur Sowjetunion ein kritisches Verhältnis entwickelten. Interessant seien im übrigen auch die politischen Bemerkungen Trotzkis aus seiner Korrespondenz mit Ramm-Pfemfert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Mit ihrer "lesenswerten" Biografie Alexandra Ramm-Pfemferts entreißt Julijana Ranc die Frau des Gründers der Zeitschrift "Die Aktion" dem Vergessen, freut sich Rezensent Volker Ullrich. Gleichzeitig korrigiere Ranc den Eindruck, Alexandra Ramm sei bloß das Anhängsel ihres Mannes Franz Pfemfert gewesen. Auf der Basis "jahrelanger", und wie der Rezensent voller Mitgefühl konstatiert, "mühevoller" Archivrecherchen schildert Ranc, wie Ramm-Pfemfert von Anfang an bei der "Aktion" mitarbeitet, als Übersetzerin tätig ist, einen engen Kontakt zu Leo Trotzki aufbaut und einen Buchladen in Berlin gründet, der zum Treffpunkt linker Intellektueller und russischer Emigranten der Weimarer Zeit avanciert. Mit ihrer "interessanten" Biografie, die im Anhang um die wichtigsten Briefe an Trotzki ergänzt ist, sorge Ranc endlich dafür, dass Alexandra Ramm-Pfemfert "der Platz an der Seite ihres Mannes eingeräumt werden kann, der ihr gebührt", lobt der Rezensent.