Juliane Liebert
mörderballaden
Gedichte

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432518
Gebunden, 60 Seiten, 20,00 EUR
ISBN 9783518432518
Gebunden, 60 Seiten, 20,00 EUR
Klappentext
True Crime in Versform. Mörderballaden gibt es, seit der Mensch Geschichten erzählt. Ob H. C. Artmanns Dialektgedichte, Bertolt Brechts Moritat von Mackie Messer oder Nick Caves Murder Ballads - sie alle handeln von Verbrechen. Juliane Liebert holt dieses Genre in die Gegenwart und dichtet von einer Bankräuberin in Männerkleidern, die in einem Stand-off mit der Polizei erschossen wird. Von Opfern politischer Verfolgung. Von Brieffreundschaften mit zum Tode Verurteilten. Von der Zeit, "der wahren mörderin". Sie fragt, "wie es wohl meiner mutter geht / dort in der erde / trinkt sie? horcht sie? ist ihr kalt?" und "hast du angst? ich sagte nein. ich wollte keine haben". Sie berichtet von Mord und Totschlag, unseren Ängsten und Wünschen - und spiegelt darin den ganzen Wahnsinn der Welt. "song: essen töten shoppen".
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2026
Mörderballaden aus weiblicher Perspektive - das ist ungewöhnlich, stellt Rezensent Jan Wiele fest, war die Mörderballade doch bisher eher eine männliche Domäne. Wie Liebert sich das Genre aneignet und dabei die schreckliche, nihilistische Banalität manchen Mordes einfängt, das weiß Wiele zu würdigen. Doch so recht und restlos überzeugt scheint er nicht von Lieberts Umsetzung. Wie eine "Fingerübung" im Genre, wirkten die Moritaten dieser Autorin, deren Inhalte modern, heißt zeitgemäß sind. Ihren Stil allerdings nennt er zwar nicht altmodisch, aber doch "altbekannt" und beschreibt ihn als eine Mischung aus Brecht, Ringelnatz, Bukowski und P.J. Harvey. Auch der starke "Appellcharakter" von Lieberts Lyrik fällt ihm nicht unbedingt positiv auf. Erfrischend wirken auf den Rezensenten dagegen die vielen seltsamen, absurden, humorvollen Momente diese Texte.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.12.2025
Balladen haben eine lange Tradition als Medium, in dem über das Düstere gesprochen wird, in diese Tradition schreibt sich auch Juliane Liebert ein, erzählt Rezensent André Hatting: Ihre 21 Texte beziehen sich überwiegend auf reale Ereignisse wie etwa den Tod Nawalnys. Eine Ballade handelt vom Henker Valentin Matz, ihn verfolgt "in den schlaf noch ihr gelächter", wenn er an seine Opfer denkt, schildert Hatting. Die Verbindung der Texte zu True-Crime-Themen findet der Rezensent interessant, aber er hätte sich gewünscht, dass Liebert sich mehr mit dem Format der Ballade an sich und dem Potential des Reims auseinandersetzt.
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