Wie abhängig sind Inhaber öffentlicher Ämter in der Bundesrepublik von den sie tragenden Parteien? Bleibt den Amtsträgern ausreichend Freiraum, um ihre Amtsverantwortung wahrzunehmen? Die Analyse von vier ausgewählten politischen Entscheidungsprozessen zeigt, dass Inhaber öffentlicher Ämter sich in einem Netz von Bindungen und Loyalitätsbeziehungen bewegen. Inwieweit Abgeordnete und Minister Unabhängigkeit bewahren oder sich Partei-, Koalitions-, Fraktions- und Kabinettsdisziplin unterwerfen, hängt nicht nur von den politischen Rahmenbedingungen und Machtkonstellationen ab, sondern wesentlich von ihrem Amtsverständnis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2001
Für Rezensent Kurt Sontheimer behandelt Autorin Julia von Blumenthal ein zentrales politisches Problem der Parteiendemokratie: Das Beziehungsgeflecht von Amtsträgern zwischen persönlichen Überzeugungen einerseits und Loyalität gegenüber ihrer Partei und deren Gremien andererseits. Wie treffen Abgeordnete politische Entscheidungen? In welchem Maße sind Mandatsträger durch ihre Parteien gebunden? Von Blumenthal untersuche dies anhand von vier aktuellen Beispielen und komme zu dem wenig überraschenden Schluss, dass es keine "festen Verhaltensregeln" gibt: Vor allem das Selbstverständnis des jeweiligen Politikers entscheide ihrer Meinung nach darüber, ob und in welchem Maße sich Entscheidungsträger Fraktionszwang und Parteidisziplin unterordnen. Sontheimer findet das Ergebnis der Studie differenziert und lobt das Werk als "empirisch gut fundiert" und "theoretisch versiert".
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