Im Fokus der machtanalytischen Studie stehen die Möglichkeiten der Selbstbehauptung in einem autoritären Herrschaftssystem. Diese Frage wird exemplarisch an zentralen Konflikten zwischen der Staatsmacht der DDR und kritischen, prominenten Autoren (Stefan Heym, Christa Wolf und Wolf Biermann) untersucht. In einem Forschungsansatz aus politik- und literaturwissenschaftlichen Verfahren werden neben literarischen Texten und offiziellen SED-Quellen auch unveröffentlichte Archivdokumente aus Kulturbürokratie und Verlagen der DDR analysiert. Zur Einordnung der Kritik politischer Akteure wurde ein mehrdimensionales Schema politischer Systemdistanz entwickelt, das durch systematische Begriffsbildung einen kategorialen Beitrag zur Oppositions- und Widerstandsforschung darstellt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2003
Als "materialreiches und spannend zu lesendes Buch" würdigt Rezensentin Beatrix Langner diese Studie über den Umgang von Schriftstellern in der DDR mit der politischen Macht. Die Autorin Angela Borgwardt kann nachweisen, so Langer, dass die weitverbreitete Auffassung, ein Schriftsteller in der DDR sei entweder oppositionell oder systemtreu gewesen, sowohl in politischer als auch in literarischer Hinsicht an der Realität vorbei geht. Wie Langer ausführt, beschreibt die Autorin den typischen DDR-Intellektuellen und Schriftsteller nicht als Dissidenten, sondern als "reformsozialistischen Häretiker", dessen Kritik der politischen Macht im Namen des Sozialismus erfolgte. Den interdisziplinären Ansatz der Arbeit, der literatur- und politikwissenschaftliche Perspektiven verknüpft, findet Langner generell als "diskurskritisches Instrumentarium" im Umgang mit der DDR-Geschichte von "praktischem Nutzen".
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