Wie erinnern wir? Wie unterschiedlich erinnern wir? Was machen Erinnerungen aus? In sechs stilistisch variierenden Kapiteln wird in der Graphic Novel das Bruchstückhafte der Erinnerung abgebildet: mal mit mehr Text, mal mit weniger, mal mit Tusche oder Bleistift, mal flächig, dann wieder linear und malerisch. Trotz der Unterschiede hat Julia Hoße ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk geschaffen. Dabei spannt sie einen Bogen durch die Kindheitserinnerungen der Frauen ihrer Familie - über mehrere Generationen hinweg: von den auf Video gebannten Erinnerungen aus dem Dinopark und der Einschulung der Schwester über eine Strandgeschichte der Mutter bis hin zur Flucht der Großmutter während des Zweiten Weltkriegs.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2018
Rezensent Christian Gasser stellt zwei Comics vor, die mit den üblichen Genregeschichten nichts zu tun haben: Die Bücher von Magdalena Kaszuba und Julia Hosse sind vielmehr gezeichnete Essays, die persönliche Erfahrungen reflektieren, mit Überhöhungen, Abstraktion und Assoziation arbeiten, wie der Rezensent erklärt. Julia Hosse arbeitet mit nachgezeichneten Videoaufnahmen aus ihrer Kindheit Geschehnisse der Vergangenheit auf, so der Rezensent: da gehts um einen Besuch im - heute schäbig anmutenden - Saurierpark oder den unglücklichen ersten Schultag der Schwester. Geschickt nutzt Hosse die zeichnerischen Mittel, um ihr Thema assoziativ einzukreisen, so Gasser, indem sie etwa das Gesicht der Schwester "geradezu fotorealistisch" darstellt, Mitschüler und Lehrer aber eher reduziert. So denkt man "grafisch meisterhaft" in Bildern nach, lobt der Rezensent.
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