Kurt Gerstein - Augenzeuge des Holocaust, Offizier der SS, engagierter Mitarbeiter in den Schülerbibelkreisen und Mitglied der Bekennenden Kirche - ist bis heute eine umstrittene Gestalt der Kirchengeschichte. Anhand vorliegender Quellen zeichnet der Autor das Lebensbild dieses Manes nach, der inmitten der Auseinandersetzungen der damaligen Zeit ständig dem Konflikt zwischen Anpassung und Widerstand ausgestzt war (`um Schlimmeres zu verhüten`). Deutlich werden dabei zugleich die Zwiespältigkeit sowie die daraus resultierenden Probleme seiner Haltung. Gleichzeitig geht der Verfasser in differenzierter Weise der Frage einer möglichen Verstrickung Gersteins in die Giftgaslieferungen für die Vernichtungslager nach und weist dabei Fehlinterpretationen bezüglich seiner Rolle zurück.
Ein (hallo, taz!) namenlos bleibender Rezensent hat mit - moralischem - Gewinn eine neue und bislang "unerreicht gründliche" Biografie des SS-Mannes Kurt Gerstein gelesen, der stets von sich behauptet hatte, er habe die Nazis ausspionieren wollen, dennoch als Kriegsverbrecher verurteilt wurde und sich im Gefängnis das Leben nahm. Eine zwiespältige Figur also, der sich der Autor, von Haus aus Theologe, nach Ansicht unseres Rezensenten mit einer gewissen Sympathie nähert. Warum Gerstein, nachdem er 1936 aus der NSDAP wegen widerständlerischem Verhaltens bereits ausgeschlossen worden war, unbedingt in die SS eintreten wollte, fällt in den spekulativen Bereich, den Schäfer dem Rezensenten zufolge nie eindimensional ausfüllt. Schäfer komme am Ende zu dem Schluss, in Gerstein einen durchaus "abgründigen" Menschen zu sehen, ohne ihm seinen Betrag zum Widerstand abzusprechen: er hatte "den Willen zum Hinsehen".
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