Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.06.2002
Es gibt sie noch, die überzeugten Linken, inzwischen eher eine Minderheit, die sich dem Mainstream, Politik sei egal und anecken anstrengend, widersetzt, bringt Rezensentin Franziska Augstein ihre klammheimliche Freude über diese Beobachtung zum Ausdruck. Zur linken Minderheit zählt sie auch Jürgen Elsässer, der sich in seinem neuen Buch die Grünen vorgenommen hat. Der "gute Rechercheur", aber auch "brachiale Polemiker" Elsässer lasse an den Grünen kaum noch ein gutes Haar, ihre Politik könne man nur noch mit dem Ausdruck "verlogener Schmu" belegen, berichtet die Rezensentin. Auch wenn der Autor viel Richtiges und Wichtiges zu sagen habe, stellt sich für Augstein die Frage, ob sich Elsässer mit seiner "derben Polemik" und der radikalen Infragestellung von Mehrheitsmeinungen nicht auch selbst schadet.
Allzu viel hält Rezensent Rudolf Walther nicht von diesem Werk. Zwar versichert er, dass Autor Jürgen Elsässer hier einen bei aller Polemik doch "informativen Beitrag zur Rolle der Medien in Kriegszeiten" verfasst hat. Die Erklärungen, die Elsässer jedoch für sein Hauptthema, die Veränderung der "Republik" durch Grüne und 68er, anbietet, überzeugen Walther nicht. Zwar findet er den Gedanken ganz interessant, dass die Führungsriege der Grünen an der Macht bleiben will, weil diese Leute nichts gelernt haben außer Politik zu machen, ohne abgeschlossene Ausbildung oder Berufserfahrung in Sorge um die eigene Existenz sind, nicht um politische Fragen. Insgesamt aber hat Walther den Eindruck, der Autor präsentiere wohl eher seine Auffassung als dass er eine Analyse liefere. Zu pauschal werden dem Rezensenten die 68er zu einer einheitlichen Gruppe gemacht, wird über das "kollektive Unbewusste der Deutschen" bloß spekuliert. Und schließlich hilft Elsässers Einteilung in "Differenzialisten" und "Universalisten" - "warum nicht gleich 'Böse' und 'Gute'?", fragt Walther - nicht zur Erklärung vom Kosovo-Krieg, schimpft er.
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