Jürgen Busche

Heldenprüfung

Das verweigerte Erbe des Ersten Weltkriegs
Cover: Heldenprüfung
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421057792
Gebunden, 741 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Deutsche Tornados über Serbien, Kriegsschiffe am Horn von Afrika, schwerbewaffnete Soldaten in Afghanistan: Internationale Kriege mit deutscher Beteiligung sind heute Realität. Das stellt Deutschland vor die Frage nach der Bewertung militärischer Leistung: Was ist Heldentum? Der Erste Weltkrieg, wiewohl von den Deutschen verloren, hat Helden hervorgebracht. Frontsoldaten und Offiziere erwarben sich große Anerkennung. Jürgen Busche verfolgt sechs Biografien von u.a. Ernst Jünger, Erwin Rommel, Ernst Udet und Paul von Lettow-Vorbeck in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis in die NS-Zeit und danach. Die "Heldenprüfung" sieht die Erinnerung immer mit Blick auf die Greuel des Dritten Reichs.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2005

Nichts, aber auch gar nichts will dem Rezensenten Rudolf Walter an diesem Buch Jürgen Busches über die deutschen Helden des Ersten Weltkriegs einleuchten. Am wenigsten schon mal die Prämisse, die davon ausgeht, dass es im Ersten Weltkrieg überhaupt so etwas wie Helden - im Unterschied zu Tapferkeit - noch habe geben können. Es komme dazu, so Walter, dass sich Busche, und zwar offensichtlich mit Absicht, um Forschungsergebnisse von Historikern keinen Deut schert: Nur so sei erklärlich, dass er den Ersten Weltkrieg immer noch als deutschen "Verteidigungskrieg" betrachtet. Zudem gehöre das ganze mit seiner Lateinlehrerprosa und der behaglichen Übersichtsperspektive methodisch eher ins 19. Jahrhundert. Es kommen Fehleinschätzungen im Detail dazu, kurz gesagt: Kein Lektüregewinn.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2004

Zufrieden zeigt sich Reinhard Müller mit Jürgen Busches Buch "Heldenprüfung", in dem er auf "kurzweilige Art" das Leben von acht Helden des Ersten Weltkriegs, darunter Ernst Jünger, Lettow-Vorbeck, Felix Graf Luckner und Erwin Rommel, beschreibt. Doch was heißt Helden? Busches Auskunft bleibt hier nach Ansicht Müllers eher vage, recht allgemein spreche er von den vier Kardinaltugenden Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Maßhalten. So lesenwert er die biografischen Skizzen, Einleitung und Epilog findet, mitunter fehlt Müller das Verbindende und Begründende in der Gedankenführung. Busches Einschätzung, dass die deutsche Politik von pazifistischen Grundsätzen gegenwärtig weiter als je in der Geschichte der Bundesrepublik entfernt sei, während die militärischen Leistungen der Deutschen im 20. Jahrhundert noch nie sie tabuisiert würden wie heute, kann er sich nur anschließen. Nicht zustimmen mag er hingegen Busches Klage, dass es im zweiten Weltkrieg zu wenige Helden gegeben habe. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Als "klug, anregend, auch aktuell" lobt Rezensent Christian Meier diese Studie von Jürgen Busche. Allerdings erschließt sich ihm das Anliegen des Autors nicht sofort. Angesichts der Tatsache, dass die Bundeswehr wieder Feindkontakt hat, hält Busche eine Heldenprüfung für angebracht, meint Meier. Bei den möglichen Kandidaten konzentriere sich Busche auf den Ersten Weltkrieg. Dabei gelingen ihm "kunstvolle biografische Skizzen", etwa von Franz von Hipper, Otto Weddingen und anderen, informiert unser Rezensent. Die Frage, was denn nun ein Held ist, werde eher umspielt. Busche gebrauche das Wort nicht in einem spezifischen Sinn. "Es bleibt auch zu viel offen", moniert Meier in diesem Zusammenhang. Seines Erachtens geht es Busche in Wirklichkeit um das, was Persönlichkeiten im Ersten Weltkrieg auszeichnete, um den mit Urteilskraft gepaarten Mut, Entscheidungen zu treffen und an ihnen festzuhalten. Etwas bedauerlich findet Meier den Mangel an Sorgfalt, mit dem das Buch abgeschlossen wurde: "Auf zwei Seiten kommt mindestens ein Druckfehler."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.06.2004

Rezensent Hans-Ulrich Wehler begegnet dem neuen Essayband von Jürgen Busche mit einer gehörigen Portion Skepsis. In diesem Buch versucht Busche, dem Leser die militärischen Großtaten der Soldaten und Offiziere aus dem Ersten Weltkrieg nahe zu bringen. Des Autors Anliegen, in Deutschland für ein "unverkrampftes Verhältnis" der Bevölkerung zu diesen Militärs zu erreichen, kann der Rezensent nicht ganz verstehen. Er fragt sich, ob es legitim sei, nur die militärische Seite eines Ernst Jüngers, Erwin Rommels oder Ernst Udets zu beleuchten. Dabei zweifelt er nicht daran, dass so mancher der Kämpfer eine gewisse "soldatische Tapferkeit" an den Tag gelegt haben. Doch dürfte der Antisemitismus Rommels beispielsweise nicht "stillschweigend" übergangen werden. Für den Rezensenten hat Busche jedenfalls ein Buch vorgelegt, dessen "Vorbildcharakter" für die heutige Bundeswehr doch stark anzuzweifeln sei.