Jürgen Becker

Graugänse über Toronto

Journalgedicht
Cover: Graugänse über Toronto
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518427521
Gebunden, 92 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Dieses lange Gedicht besteht aus lauter kurzen Gedichten - ein widersprüchlicher Zusammenhang, wie er zustande kommt, wenn das Schreiben den Sprüngen der Assoziationen, dem permanenten Zeitenwechsel, dem Hin und Her zwischen Aktualität und Erinnerung folgt. Ein journalhaftes Schreiben, das nach den Bestandteilen der Biographie sucht und wo sie auftauchen im täglichen Geschehen, im Repertoire der Medien und Bilder, in Sprechweisen und Zitaten, in vergangenen Zeiten. Indem der Verfasser dabei den Spuren des eigenen Lebens nachgeht, bewegt er sich zugleich im Erfahrungsraum der Zeitgenossen, vergegenwärtigt er ein Früher, das im Hier und Heute weiterwirkt. Eine Geschichte von Stimmungen und Erfahrungen, aufgereiht in einer Gedichtkette, die ein ganzes Jahrhundert mit sich zieht, vom Steckrübenwinter des Ersten Weltkriegs bis zur Italienischen Woche beim nächsten Discounter.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 08.07.2017

Rezensent Herbert Wiesner mag die "Wortarchitektur" des Journalisten Herbert Wiesner, in der "Schönheit und Schauder" ganz nahe beieinander liegen. Entsprechend erfreut nimmt der Kritiker Beckers "Journalgedicht" zur Hand, das im Stil von William Carlos Williams "Paterson" von einem ganzen Jahrhundert erzählt. Wiesner begleitet den stets genau beobachtenden Autor durch den Steckrübenwinter von 1916/17, erinnert sich an Tommy Dorsey, Sepp Herberger oder Cary Grant und kommt mit Becker schließlich in der Welt der Drohnen und Tweets an. Großartig, wie knapp und "sinnlich" der Autor seine "Assoziationsschübe" verknüpft, schwärmt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.06.2017

Lektüre, besser als Sternenstaub, bekommt Martin Oehlen mit Jürgen Beckers autobiografischen Journalen. Ob der Autor Prosa schreibt oder zu Versen greift, wie in diesem Band, ist Oehlen ganz gleich. So lange Becker nur weiter schön das Vergangene mit dem Gegenwärtigen kreuzt, Beobachtungssplitter sammelt und kombiniert und so den Leser mit fortträgt auf seiner Chronikwelle. Betörendes und Banales sprengen fast den (metrischen) Rahmen, meint Oehlen. Themen wie das Vergehen der Zeit nimmt der Autor laut Rezensent ohne Selbstmitleid, aber detailreich, genau und poetisch. Lohnt das Wieder- und Nochmallesen, versichert er.