Jürgen Becker

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Journalgeschichten
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Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418208
Gebunden, 156 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Der Erzähler hat Sorgen, dass er nicht ausreichend beschäftigt wird. Der Fernsehmoderator beschließt, Reiseschriftsteller zu werden, ohne dass er das Haus verlässt. Eine Wohnung wird leergeräumt, aber richtig leer wird sie offenbar nie. Namen tauchen wieder auf, die doch alle vergessen schienen. Hanna zum Beispiel, aber ist das so sicher? Die Gäste scheint der Zeitgeist eingeladen zu haben, jedenfalls hört sich ihre Konversation so an. Minimale Geschichten: für immer nur eine Seite in einem Journal, das lange leergeblieben ist, leer wie all die anderen Exemplare in der Bibliothek noch nicht geschriebener Bücher. Weil die zweihundert Seiten des Journals bereits mit Seitenzahlen bedruckt sind, hat es, meint der Verfasser, auch schon ein Konzept - ein freilich ironisch verstandenes, indem es zum Spiel gehört, das der Verfasser mit seinen Figuren und Fiktionen anstellt. Die Spuren, die Jürgen Becker mit seinem Schreiben freilegt, führen in vergangene, scheinbar verjährte Jahrzehnte, die noch so nah erscheinen wie der eben gewesene Augenblick.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2007

Als "kleines Meisterwerk" würdigt Heinz Ludwig Arnold diesen Band mit Aufzeichnungen Jürgen Beckers, der "grundsätzliche Erkenntnisse" zu den verschiedensten Aspekten des Lebens versammelt. Diese werden zur Freude Arnolds freilich nicht "gravitätisch" präsentiert, sondern sie scheinen in vielen kleinen Dialogen, Reflexionen, Miniaturen und Fragmenten wie "nebenbei" auf. Die unterschiedlichen Notate fügen sich in seinen Augen zu thematischen Strängen, die sich aufeinander beziehen. Dabei spiegeln die Aufzeichnungen für ihn das "gesamte schriftstellerische Werk" Beckers. So bietet der Band nichts weniger als die "kondensierte Substanz seines literarisch Erlebten und Erfahrenen".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2007

Der alte Sprachskeptiker Jürgen Becker habe ein "leichtes und schalkhaftes" Buch geschrieben, freut sich Rezensent Hans-Herbert Räkel. Dabei enthalte es auf alt bewährte Beckerweise die ganze Erinnerungsskala der früheren Romane vom jungen über den mittleren bis zum älteren Jörn beziehungsweise Jürgen. In den Journalgeschichten, so der Rezensent, "spiele" Jürgen Becker das "Problem" des Schreibens noch einmal, indem der Erzähler sich vornimmt, ein Journal mit 200 Seiten zu füllen. Mit den alten Avantgarde-Floskeln und "Klischees" solcher Schreibweise, meist Kommentierungen des Schreibvorgangs, hat der Rezensent allerdings seine Schwierigkeiten und nennt sie vorsichtshalber "köstlich". Grundsätzlich aber, lobt der Rezensent nun unmissverständlich, sei das Journal ein "glückliches" Buch zu nennen, und obendrein "geprägt von der Virtuosität der Weisheit".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2006

Einen ganz neuen Jürgen Becker hat Sven Hanuschek in dessen Journalgeschichten entdeckt. Ihm gefallen die Offenheit, Lockerheit und Verspieltheit dieses aus Aphorismen, absurden Dialogen, Fortsetzungsgeschichten und Selbstreflexionen bestehenden Buches. Becker finde "bestechende, machmal surrealistische Bilder" und auch die Komik komme nicht zu kurz, lobt er. Dabei sei alles viel leichter, nicht so dröge oder "bemüht reflektiert" wie bisweilen in älteren Texten des Autors, obwohl er auch in seinem neuesten Buch gewichtige Themen angehe. Diesem frischen Jürgen Becker verzeiht der Rezensent auch, dass sein Erzähler manchmal etwas eitel demonstriert, was für ein "thinking poet" er doch ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Der Prosaist und Lyriker Jürgen Becker verstehe es zu warten, bis das richtige Wort gefunden sei für das, was ihn bewege, so der Rezensent Andreas Nentwich. In seinem neuen Werk treibe er sein sprachskeptisches Verharren auf die Spitze, es scheint, "als schaue er, einer der letzen Modernen, sich beim Verstummen zu." Das aufgeschlagene Journal, dessen Seiten gefüllt werden wollen, bevölkert Becker mit fünf Erzählerfiguren, die wie Abspaltungen oder Alter Egos dem Autor bei der schwierigen Realitätserfassung zur Seite stehen. Der Erzähler H beispielsweise, sei ein Kopfreisender, der "schon beim Wechsel von einem Zimmer in das andere, das Gefühl hat, ein anderer zu werden." Angesichts dessen erscheint es nicht weiter verwunderlich, dass der Erzähler H seiner Funktion, die noch verbleibenden weißen Seiten zu beschreiben, nicht nachkommt, sondern, zum Beispiel, einfach im Auto sitzen bleibt. Fast nie sei auszumachen, wer oder wie viele gerade sprechen, der Erzähler jedenfalls entziehe sich oft genug seiner eigentlichen Aufgabe. Andreas Nentwich würdigt das Buch als einen möglicherweise letzten Anlauf, die "Vergeblichkeit aller Versuche (zu) demonstrieren, Zusammenhang zu stiften, und sei es in der eigenen Person."
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