Jürg Laederach

In Hackensack - Vier minimale Stücke

Urs Engeler Editor, Basel 2003
ISBN 9783905591651
Gebunden, 144 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Jürg Laederach, der Meister des Nicht-Realismus, legt hier vier neue minimale Stücke vor, so schwarz wie die Tasten des Klaviers von Thelonious Monk aus dem Titelstück, schwarz wie das Dunkel unter der Decke, unter der zwei Männer beieinander liegen und sich mit der Erzählung ihrer Krankengeschichte quälen, schwarz wie die Serie-noir-Groteske "Codge's Phase" und so düster und dunkel wie das Reden in einem Lift, in dem das Licht ausgegangen ist. Jürg Laederachs Sätze sind die eigentlichen Figuren seiner Stücke. Sie treiben im Kopf des Lesers ein Spiel, als schaute man durch sie in die Dunkelheit hinter den Augenhöhlen der andern. Ein grausiges Stück Theater, erschreckend lustig und so brillant nebenan wie Monks Disharmonien.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.04.2004

Friedhelm Rathjen steht, so scheint es, staunend und fasziniert vor den vier "minimalen" Stücken, die der Schweizer Autor Jürg Laederach mit diesem Buch vorlegt. Erst einmal versucht sich der Rezensent in einer Art Gattungsbestimmung und kommt ziemlich schnell zu dem Schluss, dass es sich bei den Protagonisten der Stücke nicht etwa um "Individuen" sondern um "Dividuen", also geteilte Figuren ohne einheitliche Persönlichkeit handelt. Seine versuchte Zusammenfassung der vier Stücke, bei der "im Grunde immer nur eine Stimme spricht", wie der Rezensent feststellt, verurteilt er selbst dann auch sofort als "falsch gezählt und falsch erzählt" und meint, der Autor "erzählt nicht, er "entzählt". Mit seiner Weigerung "etwas auszusagen", indem er seine Figuren als "minimalistische Plapperer" vorführt, bringt er seine Leser "pausenlos in solch herrliche Verlegenheit", nämlich nicht zu wissen, wovon eigentlich die Rede ist, meint Rathjen entzückt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2003

Die klassische Tragödie - das war einmal, meint Rezensent Samuel Moser angesichts von Jürg Laederachs "minimalem" Theater. Denn in Laederachs Stücken, so der Rezensent, "geschieht nichts, weil alles, was geschehen kann, immer schon geschehen ist", und der Zuschauer werde allenfalls Zeuge, "wie es weitergeht, wenn es weitergeht". Fleisch suche man am dramatischen Knochen vergeblich, es bleibe nur das "Skelett", die "nackte Mechanik von Beziehungsmaschinen". Sehr schön geht Moser auf die verschiedenen Stücke des Bandes ein, arbeitet die "komische Substanz" in den eher traurigen Stücken heraus, die etwa von einem Paternoster handeln, der sich in der Abfolge der Ein- und Aussteigenden zum fetzenhaften "Satzpaternoster" entwickelt, oder vom in der kleinlichen Haushaltswelt der Ehefrau sich verklebenden Thelonious Monk. Man könnte meinen, Laederach wolle das Theater "an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen", etwa mit seinen teilweise rätselhaften Regieanweisungen ("Kanada"), doch der Rezensent sieht darin mehr ein Verzicht auf das Erklärende, der nur scheinbar in das "maximale Verschwinden" mündet. So rätselhaft sie sind, die Dinge sprechen irgendwie verständlich, eben so wie sie sind.