Maurice Blanchot

Der letzte Mensch

Erzählung
Urs Engeler Editor, Basel 2005
ISBN 9783905591934
Gebunden, 131 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jürg Laederach. "In 'Der letzte Mensch'", schreibt der Übersetzer Jürg Laederach zu "Le dernier homme", "vollzieht Blanchots Erzähler mit seinem Blick eine Zangenbewegung um eine einzige Person, man könnte sie einen zerfledderten Absolutisten oder ein Treppen steigendes, durch Krankheit heruntergekommenes Absolutum nennen. Der Leser hat sich inzwischen an Blanchots Leidenschaft für jede Art des umkreisenden Umwegs gewöhnt, und so gibt es auch in diesem Bericht keine Unternehmung und kein Vorgehen, das sein Ziel anders als über sein diametral Entgegengesetztes ansteuert. Ist von dem Zerfledderten viel zu berichten? Der Erzähler findet nein, also berichtet er unermüdlich. Ist der Zerfledderte, der seinen eigenen Worten nach wie ein Wolf heult, etwa ein Hochgestellter? Der Erzähler bejaht es, um ihn besser erniedrigen zu können. Dringt Blanchots Erzähler hier grundsätzlich in die Verehrung, in die Christologie ein? Er möchte sich dem nicht verschließen und schlägt deshalb konsequent, verbissen und gegen sich selber auf jede Form von Devotion ein. In 'Der letzte Mensch' sind jegliche Direktheit und Unmittelbarkeit seit urvordenklichen Zeiten abhanden gekommen. Des Erzählers Programm wird zusätzlich befrachtet. Jederzeit läuft er Gefahr, dass der Beschriebene oder das Beschriebene zur Spiegelfläche und damit zur eigenen Person, ihrer angegriffenen, kniefällig verehrten Ungeheuerlichkeit werden."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2006

Es ist offensichtlich nicht einfach, den poetischen Ausdrucksformen der Gedankenwelt des französischen Philosophen Maurice Blanchot zu folgen, doch nach Einschätzung der Rezensentin Sibylle Cramer kann man trotzdem Freude an der Lektüre haben - nicht zuletzt dank Jürg Laederachs "gewandter, leicht lesbarer Übertragung". Dass man wirklich völlig erfasst, worum es bei dieser Auslotung des Verhältnisses von Sein und Bewusstseinstätigkeit geht, ist nach Cramers Meinung gar nicht unbedingt notwendig. Ihm genügt es stellenweise schon, die "Mühelosigkeit" zu bestaunen, mit der der Autor die Verwendbarkeit der lyrischen Sprache für die Wissensvermittlung austestet. Das Buch ist "ein selbstherrliches Spiel zwischen Sinn und Nichtsinn", das die Neigung der Sprache zur Vereinheitlichung und Sinnstiftung wiederholt und "eigensinnig" konterkariert."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.10.2005

Rolf Vollmann vermutet, dass es sich bei dieser Erzählung von Maurice Blanchot, die seiner Meinung nach gar keine ist, um einen Scherz des Übersetzers Jürg Laederach handelt, denn etwas anfangen kann er mit ihr überhaupt nicht. In dem Monolog eines nicht weiter charakterisierten Mannes geht es um ihn selbst, um einen weiteren Mann, der sich in einem Zimmer befindet und Gott-ähnlich zu sein scheint und eine Frau, die mit beiden eng verbunden ist. Der Mann will alles vergessen, kann aber nicht, und was er vergessen will, das kann der Rezensent nicht ganz ergründen. Schließlich fasst er das Buch als ein "suggestierendes Spiel mit Paradoxien, mit teils abgründigen, teils wieder neckischen Widersprüchen und mit einem schaumigen Gemurmel aus der Unter- und der Überwelt" zusammen, doch scheint ihm insgesamt recht ratlos gegenüber zu stehen.