Jürg Amann

Mutter töten

Cover: Mutter töten
Haymon Verlag, Innsbruck 2003
ISBN 9783852184296
Gebunden, 128 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

In vier miteinander verknüpften Erzählungen rollt Jürg Amann die prekäre Beziehung eines Mannes zu seiner Mutter auf: "Die Reise" des Knaben mit der Mutter führt in den Süden, ins Heimatdorf des Großvaters, das heißt in ihre Herkunft zurück, und gibt eine Ahnung davon, was es bedeutet, "nie gewollt" gewesen zu sein; im darauffolgenden "Nachtstück" wird das heranwachsende Brüderpaar vom übermächtigen Bild der mit harten Strafen, aber auch mit ihrem Selbstmord drohenden Mutter verfolgt; in "Mutter töten" sieht sich der erwachsene Sohn mit der Bitte der hinfällig Gewordenen um Sterbehilfe konfrontiert, seine zwischen Verständnis, Pflichtbewußtsein und Kindesliebe schwankenden Gefühle werden immer mehr zur tiefen Zuneigung; in einem poetischen "Requiem" der respekt- und liebevollen Erinnerung wird schließlich Frieden gemacht, kommt es zur endgültigen Versöhnung, im wörtlichen Sinn.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2003

Einen etwas ambivalenten Eindruck hat Jürg Amanns Band "Mutter töten" bei Rezensent Walter Hinck hinterlassen. Zwar findet er die vier Prosastücke, die um die Motive Marter, Nähe zum Tod und das Mutter-Sohn-Verhältnis kreisen und aus der Perspektive des Sohns erzählt werden, insgesamt überzeugend. Vor allem der vierte Text, "Requiem", in dem Amann das Sterben der Mutter zum Gegenstand des Erzählens macht, hat Hinck beeindruckt. Wie Amann dieses Sterben in seinen verschiedenen Phasen in Sprache bringt, "ohne auf Rührung zu spekulieren", ist nach Ansicht Hinck Zeugnis "künstlerischen Gelingens". Zu seinem Bedauern belässt es Amann nicht dabei, sondern will "höher hinaus". Er überschreibe die Texte zu den sieben Phasen des Sterbens jeweils mit Christi letzten Worten am Kreuz und erhebe damit das Sterben zu religiösem Märtyrertum. "Wohlfeil werden hier die Bibelworte", resümiert der Rezensent, "sie umkränzen eine sehr körnige, körpernahe Sprache mit Devotionalienpoesie."
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