Im diesjährigen Almanach wird ein facettenreiches Spektrum jüdischer Kindheiten vorgestellt, es reicht vom Kibbuz über die deutsche Nachkriegswelt bis ins ultraorthodoxe Milieu. Ganz unterschiedliche Herausgegeben von Gisela Dachs im Auftrag des Leo-Baeck-Instituts. Kindheitsgeschichten werden erzählt, etwa die eines bei einer Ersatzfamilie in Belgien während des Zweiten Weltkriegs versteckten Mädchens oder die eines israelischen Diplomatensprößlings. Der bekannte israelische Schriftsteller Sami Michael schreibt von seinen Kindertagenin Bagdad und Daniel Cohn-Bendit von seiner Bar-Mizwa, die nicht stattgefunden hat. Und Gad Granach erinnert sich mit Schrecken an seine ungeliebten Geigenstunden, die ihm und vielen anderen jüdischen Kindern im Berlin der zwanziger Jahre vom Wunderkind Yehudi Menuhin eingebrockt wurden. Zu Worte kommen aber auch Jugendliche von heute, wie in dem Briefwechsel zwischen einem jüdischen und einem arabischen Mädchen, die über den Nahostkonflikt aus ihrer jeweiligen Sicht schreiben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2004
Die Israel-Korrespondentin der "Zeit", Gisela Dachs, hat einen Jüdischen Almanach zum Thema Kindheit herausgegeben, von dem sich der "jsl" zeichnende Rezensent überaus angetan zeigt. Der Almanach sei eine gelungene Mischung aus sachkundigen Beiträgen und Erinnerungen der verschiedensten Menschen geworden, und selbst an Punkten, an denen man Klischees hätte erwarten können, würden diese Klippen in den Texten von Viola Roggenkamp, Zohar Shavit, David Tartakover, Gad Granach oder Sami Michael gekonnt umschifft.
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