Judy Budnitz

Große Sprünge

Short Stories
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783458170983
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Heinrich. "Wir sitzen in der U-Bahn in einem Wagen voller Geschichten. Die Menschen hocken da mit versteinerten Gesichtern und haben ihre Geschichten auf dem Schoß oder in den Taschen oder in den Plastiktüten zu ihren Füßen." Doch Judy Budnitz findet ihre Geschichten nicht nur in der U-Bahn. Im Krankenhaus opfert ein junger Mann sein Herz für seine sterbe Mutter. An einem Kiosk werden Straßenkarten verkauft, die zu keinem Ziel führen. Eine Zeichenklasse steht frierend ihren Modellen eine ganz Nacht über Akt, der einzige Freund eines Mädchens ist ein Mann im Hundekostüm, ein anderer Mann nimmt die Gestalt seines verhassten Nachbarn an, ein Bäcker backt Menschen statt Brot.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2002

Katharina Granzin widmet in ihrer Besprechung einen großen Teil ihrer Aufmerksamkeit dem Debütband "Große Sprünge" von Judy Budnitz, der in Deutschland gerade erst herausgekommen ist, obwohl er früher als der im vergangenen Jahr veröffentlichte Roman "Das Echo meiner Schritte" entstanden ist. "Große Sprünge" erschien im amerikanischen Original bereits 1998, und auch wenn die Autorin damals erst 24 Jahre alt war, findet Granzin hier keine typischen Anfangsfehlern wie Überkonstruiertheit. Nicht alle Geschichten seien richtige Meisterwerke, aber alle hätten "diesen schrägen Blick", Humor und einen "eigenen Ton". Als Zuschauerin dieser Szenen aus dem amerikanischen Provinzalltag ist Granzin häufiger zum Lachen zumute, wobei ihr gleichzeitig speiübel ist. Das Lachen sitzt fest im Hals, berichtet sie. In einem Interview hätte Budnitz von der bewussten Beschränkung ihrer literarischen Welt berichtet: sie lebe ein normales Leben und von diesem müsse sie ausgehen. Was für ein "charmantes Understatement für eine "außergewöhnliche Fantasiebegabung", stellt Granzin belustigt und bewundernd zugleich fest.
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