Die Pflanze hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Konjunktur als Ideengeberin für die künstlerische Form. In Kunsthochschulen und im Kunstgewerbe kursierten Vorlagenwerke, deren didaktische Bildlichkeit bislang wenig erforscht wurde. Das Buch liefert nicht nur einen Beitrag zur Theorie und Geschichte der Bildvorlagen von Pflanzen, sondern zeigt auch die große Aktualität des Vegetabilen in der Kunst der Gegenwart auf. Es untersucht Vorstellungen von kultureller Erneuerung, die mit dem steten Rhythmus des Keimens, Wachsens und Blühens der Pflanze verbunden sind, wie auch die politische Instrumentalisierung der Flora in Kategorien des Heimischen und Nationalen. Das Bild der Pflanze entfaltet sich dabei am Kreuzungspunkt von Botanik und Ästhetik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2021
Bernd Stiegler lässt sich von Judith Elisabeth Weiss durch die Geschichte der Pflanzenvorlagen für die Kunst führen. Mit theoretischem Aplomb eröffnet die Autorin laut Stiegler so die Debatte um das Verhältnis von Bild und Natur und die Frage, was das Bild mit der Pflanze alles angestellt hat. Dass sich daraus Kulturgeschichte regelrecht ablesen lässt, erfährt der Rezensent mit Staunen. Kolonialgeschichte, ökologische Konzepte oder, wie die Autorin laut Stiegler schreibt, sogar "Krisensymptome lässt die Natur im Bild den Betrachter erkennen.
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