Wegen des rapiden historischen Umbruchs tritt der Umbau der Bildkultur in Italien mit exemplarischer Deutlichkeit zu Tage. Durch ein fabrikmäßig organisiertes Pressewesen wurde eine gesamtitalienische Öffentlichkeit erst geschaffen. Die Illustrationen waren galvanisierte Holzstiche, die ein künstlerisches Proletariat teils unter Verwendung von Fotos gestaltete. Die illustrierten Zeitschriften gerieten in das Zentrum eines Wandels der Bildwelt, der von den Museen und Akademien zum Film und zu den Avantgarden überleitet. Die Malerei geriet zunächst keineswegs in den Hintergrund. Auf Großausstellungen gezeigt, in der Presse reproduziert und in ganz Italien diskutiert, war sie im Gegenteil wie niemals zuvor ein Massenmedium. Die spektakulärsten Ausstellungsbilder nahmen in Konkurrenz zur Fotografie die Ästhetik des Films vorweg. Sie werden im Spiegel der kunstkritischen Debatte vorgestellt. Daneben stehen Analysen des Pressebildes, seiner Inhalte, seiner Darstellungs- und Erzählweisen sowie die politische, die Sozial-, Wirtschafts- und Mentalitätsgeschichte Italiens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2006
Lehrreich, wenn auch keineswegs fehlerfrei findet Andreas Strobl Michael Zimmermanns Studie über die italienische Bilderkultur und ihren Beitrag zur Herausbildung der Nation. Aufmerksam folgt Strobl dem roten Faden der populären Bilder aus "L'illustrazione Italiana" und wird dank des vom Autor vorgenommenen Arrangements fündig: Eine italienische Mentalitätsgeschichte des Risorgimento mit (oft, wie er schreibt, leider zu kursorischen) Ausflügen in die Sozial- und Kunstgeschichte entdeckt er und dankt Zimmermann für "einfühlsame Bildanalysen". Bedauerlich findet Strobl, dass der Autor den Zeitungskontext der Bilder vernachlässigt und einen europäischen Vergleich scheut. Eine den Konnex zur Fotografie und zum Kino herstellende "Fortschreibung der Bildberichterstattung" hätte er sich von diesem Band auch gewünscht.
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