Thomas Bernhard

Holzfällen

Eine Erregung. Werke, Band 7
Cover: Holzfällen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518415078
Gebunden, 380 Seiten, 32,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler. Am 21. August 1984 wurde die "Erregung", so die von Thomas Bernhard gewählte Gattungsbezeichnung für seinen Roman "Holzfällen", vom Suhrkamp Verlag an die Buchhandlungen ausgeliefert. 10 Tage später ging beim Wiener Landgericht der Eilantrag auf die Beschlagnahme des Buches ein, da es Persönlichkeitsrechte verletze. Eine Richterin gab dem Antrag statt, so dass der Roman aus sämtlichen österreichischen Buchhandlungen entfernt wurde. Diese Erregung um seine Erregung bildete einen Grund, warum Bernhard in seinem Testament sich jede Verbindung mit dem österreichischen Staat verbat. Die vorliegende Ausgabe dokumentiert im Anhang zum ersten Mal die Prozesslage, deren Hintergründe und Konsequenzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Der hier rezensierende Schriftsteller Daniel Kehlmann präsentiert auf einer ganzen Seite ein Wiederlesen dieses Buches, das vor dreiundzwanzig Jahren erschienen und wegen der deutlichen Wiedererkennbarkeit einiger Figuren zunächst in Österreich verboten worden war. Was bleibt von diesem Buch, so fragt der Rezensent, wenn man es als Literatur und nicht als Skandalon betrachtet? Kehlmann beschäftigt sich hier mit dem Text als Konstruktion zwischen Realität und Fiktion. Seine Entdeckung ist die Doppelgesichtigkeit des Schriftstellers Bernhard, der einerseits meisterhaft seinen Abscheu vor Menschen des künstlerischen Wiener Milieus seiner Zeit zum Ausdruck bringe, andererseits aber auch ein "versierter kulturpolitischer Fädenzieher" gewesen sei. Beweis: Bernhards Invektiven gegen das Burgtheater als ständig Grillparzer spielendes, bürgerliches Langweilertheater. Sie erfolgten zu einer Zeit, als man dort längst schon osteuropäische Avantgarde spielte und vor allem: kurz nachdem Bernhard als Direktor des Burgtheaters abgelehnt worden war. In solchen Momenten hört Kehlmann in den Ausfällen Bernhards "falsche Töne". Nur dort, wo Bernhard selbst schreibt, das beschriebene Milieu sei sein eigenes und er selbst nicht besser als die anderen, so Kehlmann, werde "ein prekäres Buch voller Ausfälle gegen alte Freunde" wieder zu "Kunst".
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