Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jan-Niklas Jäger. Ein Klassiker: Männer stehen auf der Bühne, Frauen im Publikum. Schaut man sich das Line-up vieler aktueller Festivals an, hat sich an dieser Arbeitsteilung nicht viel geändert: Headliner sind Männer, Machos mit Gitarren. Rock wird scheinbar immer noch von der Verachtung für das Weibliche befeuert und gilt nur dann als aufregend, wenn er sich möglichst misogyn und machohaft gebärdet. Im mittlerweile zum Klassiker avancierten "Sex Revolts" stellen Joy Press und Simon Reynolds angesichts der Verkultung des Männlichen im Rock und der Marginalisierung von Künstlerinnen die dringend notwendige Gegenfrage: Muss das so sein?
"Sex-Revolten" vereint die persönliche Fanperspektive von Joy Press und Simon Reynolds mit ihrem analytischen Blick auf den Gegenstand. Sie untersuchen die Frauenbilder der wütenden jungen Männer (u. a. Rolling Stones, Sex Pistols), der Krieger und Kreuzzügler (u. a. The Clash, Public Enemy), der Möchtegern-Supermänner (u. a. Led Zeppelin, Jim Morrison, Nick Cave) und der psychedelischen Träumer von Pink Floyd über Van Morrison bis zu My Bloody Valentine. Und sie erobern denjenigen ihren Raum zurück, die sonst gerne übergangen werden: den Revolutionärinnen der Musikgeschichte.
"Sex Revolts" erzählt von Performerinnen wie Kate Bush, Siouxsie und Grace Jones, präsentiert Feministinnen von The Slits bis zu den Riot Grrrls und porträtiert Rock-Hohepriesterinnen wie PJ Harvey, Janis Joplin, Joni Mitchell und Courtney Love. Die deutsche Übersetzung von Jan-Niklas Jäger enthält exklusive Kapitel, die die Geschichte feministischer Revolten im Rock seit Erscheinen des Buches in den USA im Jahr 1995 weitererzählen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.11.2019

Julian Weber bekommt mit der deutschen Fassung des Buches von Joy Press und Simon Reynolds aus dem Jahr 1995 eine spannende Darstellung über Pop, Rebellion, weiße Arroganz, Sex und Misogynie bei Mick, Iggy und Co. Wie die Autoren zum Beispiel das krasse Inszenesetzen des Rockmusikerkörpers mit Klaus Theweleits "Männerfantasien" kurzschließen, erscheint Weber weitsichtig. Ebenso die Ausführungen der Autoren im Licht von #MeToo. Dass auch die Selbstermächtigung von Frauen im Punk im Buch vorkommt, findet der Rezensent sinnvoll.