Josef Winkler

Lass dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Roman
Cover: Lass dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518427965
Gebunden, 200 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Erst vor wenigen Jahren hat Josef Winkler erfahren, dass sein Kärntner Landsmann Odilo Globocnik, der sich als Leiter der "Aktion Reinhardt" mit den Worten "Zwei Millionen ham' ma erledigt" des Massenmords an den Juden gerühmt hatte, nach seinem Zyankali-Freitod im Mai 1945 auf einem Gemeinschaftsfeld von Winklers Heimatdorf Kamering verscharrt wurde, in den "Sautratten" - dort, wo Winklers Vater und Großvater ihr Getreide anbauten und ernteten. In einem bösen Wortmarathon exhumiert der Autor das Skelett des SS-Massenmörders - und mit dem Skelett die Geschichte Kamerings nach dem Krieg. Ausgrabung und die neuerliche Visitation des vielleicht meistbeschriebenen Dorfs der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ergeben: Der Boden, auf dem Kamering steht, ist vergiftet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.08.2018

Laut Thomas E. Schmidt hat Josef Winklers neuerliche Auseinandersetzung mit Kindheit und Herkunft, Vater und Vergangenheit politische Bedeutung. Die Unmöglichkeit, mit dem Vergangenen abzuschließen, nimmt er als ein warnendes Plädoyer des Textes, in dem der Vater des Autors, die Kindheitslandschaft und die Toten niemals Ruhe zu geben scheinen. Insofern ist Winklers autobiografischer "Reinigungsversuch" für Schmidt ein "verzweifelt komischer", bei aller Traurigkeit. Von hoher Musikalität scheint ihm die Darstellung des von Winkler besuchten "Jammertals", in dem ein auf dem Acker verscharrter Kriegsverbrecher die Menschen "nährt". Ein Brief an den Vater, der Schmidt nicht zuletzt an ein "weltliches De Profundis" erinnert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.06.2018

Hans-Peter Kunisch scheint viel zu halten von Josef Winklers neuem Text. Der autobiografische Ansatz, Winklers "anschaulichen" Fantasien zum Verbleib des Judenschlächters Globocnik sowie der diesmal nüchterne, realistische Stil haben Kunisch überzeugt. Dass die hier geschilderte Wirklichkeit grotesk und zugleich existenziell genug ist, als dass sie noch barocke Opulenz vertrüge, ahnt Kunisch auch. Wenn Winkler nunmehr fragend und differenziert erzählt, statt zu verdammen, ist das dem Rezensenten ganz recht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2018

Daniela Strigl gefällt's, was Josef Winkler unverhohlen autobiografisch über seinen Vater erzählt. Vor allem aber wie er erzählt, macht ihr Freude, bringt der Autor ihr doch nicht nur die klägliche Alltagskultur auf dem Land nach dem Krieg in "Technicolor" zu Gesicht, sondern bedient sich auch reich im lokalgeschichtlichen und lokalsprachlichen Fundus. Für Strigl bezwingend literarisch. Dass der Autor mit der braunen Vergangenheit Österreichs auch ein neues Feld beackert, gefällt ihr gut. Dem Thema kann der Autor "neue Farbe" abgewinnen, meint sie.

Lesen Sie die Rezension bei buecher.de