Aus dem Englischen von Heike Schlatterer und Karin Schuler. Mit 28 Abbildungen und 10 Karten. Die Geschichte der Kreuzzüge ist eines der blutigsten Kapitel der Menschheit, das unzählige Frauen und Männer muslimischen, christlichen oder jüdischen Glaubens erlebt und erlitten haben. Ihnen gibt Dan Jones eine Stimme mit vielen bisher kaum wahrgenommenen Quellen. Die Kreuzfahrer, die zurück in ihre Heimatdörfer humpelten und vertrocknete Palmblätter aus dem Heiligen Land auf die Altäre der Kirchen legten, hatten 1099 gesiegt: Jerusalem war in christlicher Hand. Es war der vorläufige Höhepunkt einer Dynamik, die der Papst mit einem entschlossenen Aufruf entfacht und der byzantinische Kaiser mit populistischen Gräuelgeschichten aufgeheizt hatte. Die Angegriffenen waren von der Brutalität der Angreifer überrascht, die Angreifer überwältigt von der Schönheit der Städte und der Unwirtlichkeit von Klima und Natur. Doch das Blatt sollte sich im Lauf der Kreuzfahrerzeit mehrfach wenden und die Unstimmigkeiten nicht nur zwischen Christen und Muslimen zunehmen. Was zählte der gemeinsame Glaube, wenn es um Gold und Macht ging? Dan Jones erzählt die Geschichte aus Sicht der Päpste, Könige und Sultane, lässt arabische Dichter, byzantinische Prinzessinnen und sunnitische Gelehrte zu Wort kommen und vergisst nie die einfachen Menschen diesseits und jenseits der Frontlinien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.11.2025
Rezensent Stephan Klemm freut sich über dieses lehrreiche Buch über die Kreuzzüge. Geschrieben hat es Dan Jones, der sowohl Historiker als auch Schriftsteller ist, was man, findet Klemm, diesem gleichermaßen gut recherchierten wie flüssig geschriebenen Buch auch anmerkt. Erzählt wird hier nicht nur die Geschichte der sieben Kreuzzüge, erfahren wir, auch deren historischer Kontext findet Platz im Buch, so behandelt Jones etwa die Rückeroberung Spaniens nach knapp 800 Jahren muslimischer Präsenz. Klemm geht auf die Geschichte der Kreuzzüge selbst ein, die erst als ungeordnete Feldzüge begannen, später jedoch besser organisiert waren und weist außerdem darauf hin, dass es in der Gegenwart zwar keine Kreuzzüge mehr gibt; dass jedoch der Begriff "Kreuzzug" als Metapher weiterhin Verwendung findet und etwa von George W. Bush und dem IS aufgegriffen wurde. Grundlage dieser Ideen sind also "Eroberungsfantasien aus dem Hochmittelalter", meint Klemm, und wie es Jones gelingt, diese begreiflicher zu machen, ist durchaus beeindruckend.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.10.2025
Rezensent Ingo Arend ist begeistert! Der britische Historiker Dan Jones erzählt die Geschichte der Kreuzzüge - und die gingen nicht nur Richtung Heiliges Land, sondern auch ins Baltikum oder nach Nordafrika - vor allem anhand des Personals nach: Ferdinand und Isabella von Kastilien, Richard Löwenherz und Sultan Saladin, Königin Melisende von Jerusalem oder die Pilgerin Margaret von Beverly. Spannend, findet Arend und vor allem: hinreißend erzählt. Wie die Briten das eben oft können. Und Strukturelles kommt auch nicht zu kurz, versichert der Kritiker, der bei Jones lernt, was neu an diesem "kirchlich gebilligten Militarismus" (so Jones) war.
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